Monatsarchiv: März 2009

Samstag war Kaiserwetter!

Und heute schifft es schon wieder.

Den Samstag dafür genutzt in die Stadt zu spazieren. Ich durfte mir ein Geldbörsel aussuchen (und habe ein supergeiles in einer flashigen Farbe bekommen.)

Die Innere Stadt ist am Samstag der Horror schlechthin und ich habe wirklich keine Freude mehr, als Wiener gemütlich über Graben oder Kärntner Straße zu schlendern. So wird Einheimischen ihre eigene Stadt vergellt. Touristen gehen im Entenmarsch hintereinander und haben kaum Möglichkeit einen Blick auf die Auslagen zu werfen, weil man sonst vom Hintermann einen mittelfesten Stesser bekommt. Wenn man sich dem Stress entziehen möchte und sich in einem der Schanigarten seiner Letargie hingeben möchte – Schmecks, kein Platz.
So schaut es normaler Weise in der Stadt aus. Doch jetzt herrscht absoluter Ausnahmezustand.
Frau Stenzel (Bezirkshäuptling der Inneren Stadt), wollte einen stockelschuhsicheren Straßenbelag. Der alte war schon ganz schön von den Hufen der Fiakerpferde abgewetzt. Zeigt das nicht irgendwie Charme, wenn es ein bissl krumm und nicht großstadtperfekt ist?
Jetzt ist der Graben in der Mitte zu 3/5 aufgerissen. Links und rechts schlängeln sich in den verbliebenen Restdritteln Einheimische wie Ausländische entlang. Mit Schaufensterschauen ist nichts mehr, denn es heißt aufpassen, wenn ein ca. 20cm hoher Kanaldeckel mitten am Weg wie ein Schwammerl aus dem Boden herausragt. Wer sich da derstesst, hat ein perfekt aufgeschundenes Schienbein.
Grüß-mich-gott-Onkel-Otto, die Ente ist unter lästerndem !sehr lauten! Geschnatter über die Kanaldeckel gehupft und in eine Seitengasse geflüchtet. Dort nämlich habe ich mein schönes Börsel erstanden und mit dem Verkäufer ein wenig gefachsimpelt, über Straßenbelag und fehlende Leuchten. Frau Stenzel hat ihren stöckelschuhfreundlichen Belag und die Stadtverwaltung hat die (schönen) alten Straßenbeleuchtungen entfernen lassen – sehr zum Wehklagen der Frau Bezirksvorsteher.

Nach Hause gekommen, habe ich ganz hektisch in meinem Fotofundus gekramt. Wer hätte sich gedacht, die alten „Maiglöckchen“-Lampen werden jemals zur Geschichte, jetzt wo wir so auf Retro unterwegs sind. Und ich habe noch Bilder gefunden, wo man die alten Lampen sieht. Die neuen sind halt glatt – für Stöckelschuhe eben und fad.

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Stadtgespräche

Das Wochenende ist wirklich immer viel zu kurz.
Und doch gab es gestern zwei wirklich sehr interessante und spannende Sendungen im Hörfunk und Fernsehen.
In Ö3 höre ich gerne Sonntag früh, wenn ich Eier brate oder einfach nur Kaffee für mich koche, Frühstück bei mir, mit Claudia Stöckl. Es gibt kaum eine Sendung, die nicht hörenswert wäre. Diesen Sonntag war es ein Interview mit dem Zukunfstforscher Matthias Horx, das auch als podcast gehört werden kann. (Bitte beeilen, Ö3 hält die mp3 Dateien nicht ewig online). Aber auch die zuerst verlinkte Seite von ihm ist eine wahre Fundgrube, die sehr interessante Denkansätze enthält. Ich weiß jetzt nicht, ob, Horx in Wien wohnt, ich dachte, das so verstanden zu haben, er wohnt irgendwo in der Nähe von Währing.

Am Abend gab es dann eine Diskussion über Zilks Spionagetätigkeit in der damaligen Tschechoslowakei, die er ab 1965 gemacht haben soll. Die Geschichte wurde nicht aufgedeckt, sondern wieder aufgewärmt, vom Wochenmagazin „profil“, das an und für sich nur fundierte und gut recherchierte Aufdeckergeschichten veröffentlicht. Das profil bekomme ich jeden Sonntag per Hauszustellung vor die Tür gelegt – übrigens eine herrliche Erfindung, Zeitungen am frühen Morgen schon vorzufinden. Wenn dazu noch 2 frische Semmerln und ein Butterkipferl geliefert werden könnte, dann wäre der Sonntag noch perfekter!

Zilk, Programmdirektor beim ORF – daran kann ich mich nicht mehr erinnern, Bundesminister für Unterricht und Kunst und anschließend viel geliebter Wiener Bürgermeister – kein anderer konnte ihm bis dato das Wasser reichen, war eine sehr bunte und schillernde Gestalt. Er hat angeblich, was Frauen anbelangt nichts ausgelassen, war aber ein Mensch, der sehr charismatisch und mit einer riesigen Portion Zivilcourage seine politischen Aufgaben bestreitete. Natürlich wer Zilk kannte, hatte es ein wenig leichter, wenn er etwas Stadtpolitisches von ihm wollte. Aber er war auch streng, wenn ihn jemand um einen Schmarren ansuderte und das nicht so ganz seinen Vorstellungen entsprach.
Nun war in der gestrigen wirklich sehr heftigen Diskussion der Streitpunkt, ob es Zilk notwendig hatte umgerechnet 30.000 Euro und einen Kristallluster anzunehmen, für eine Tätigkeit als Spion, wo er eigentlich nichts wusste. Man vermutete, er erzählte dem tschechischen Geheimdienst nur Dinge, die er am Tag zuvor aus dem Kurier gelesen hatte. Der Geheimdienst wiederum zwar sehr effizient in seiner Bespitzelung, aber sonst steckenblöd, bemerkte gar nicht, wie wenig Gewicht diese Informationen hatten. Oder wollte er Zilk für höhere Dienste einkochen? Das war die Frage gestern.
Bacher und Michael Frank (SZ Korrespondent) versus dem Rest der Diskutanten. Besonders Dagmar Koller, Zilks Soubrette und Ehefrau war ganz außer sich. Natürlich, verteidigt sie ihren Mann und meint, man solle ihn doch in Ruhe unter der Erde liegen lassen. Außerdem fand sie es unerhört (der Scholz übrigens auch), als Frank erzählte, Zilk, der den Inhalt des Akts damals (späte 90er) schon kannte, wäre ganz stolz gewesen, wie darin Hauptaugenmerk auf seine ehemaligen „Weibergeschichten“ gelegt wurde. Ein wenig bekam die Diskussion einen grotesken Touch, als Scholz den Frank auf so klein mit Hut zusammengeputzt hatte und die Koller mit ihrem Kreuz in der Luft herumfuchtelte, als wäre Frank der Inbegriff des Bösen.
Und dabei frage ich mich wirklich, soll man so eine Sache nur weil sie schon ewig verjährt ist und die Beteiligten teilweise gar nicht mehr am Leben sind, unter den Tisch fallen lassen?
Oder soll man tatsächlich, so wie Bacher es verlangte, der Sache nachgehen. Und er hat nicht Unrecht, wenn wir heute über die Presse erfahren, Zilks Akten wurden in den frühen 70er Jahren vernichtet. Seit wann werden Akten über Geheimdienstermittlungen vernichtet?

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Aaans zwa drei check it … die check it box

Da kuchn foat mi in die hölle …

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G’schlaucht!

Leider schafft es mein Energiezentrum im Moment nicht, eiserne Reserven zu aktivieren. Ich bin furchtbar nachlässig alle meine abonnierten Blogs zu lesen. Bin faul und unkreativ, was Blogeinträge anbelangt – bin einfach lätschert. Da ist es ganz fein, wenn man eine gute Zeitschrift zur Hand hat.

Weiß nicht, wer den Falter ließt, darin ist ein lustiger Artikel über die zweitstärkste Migrantengruppe in Wien und deren fehlender Integrationswille. Nee, hast du Worte – dat is sogar onnlein: Ihr könnt uns mal gerne haben: Deutsche in Wien. Dann gucken wir doch, ob die deutsche Leserschar den hintergründigen Humor checkt. Ente sagt extra gucken und nicht schauen, damit es nichts zu Kichern gibt.

Ergänzung, weil das in der Onlineversion nicht zu finden ist:
40.382 Deutsche leben in Wien, der 3. Bezirk ist der liebste (deutsche) Bezirk, 1866 besiegten Preußens Truppen Österreich in der Schlacht bei Königgrätz. Der preußische Militärmusiker Gottfried Piefke komponierte den Königgrätzer Marsch und kreierte damit das Schmähwort für unsere liebsten Nachbarn. 😉

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Wie Sand am Määäääär …

Kennt das wer?

Träller ich schon die ganze Zeit.
Wie ich so klein und winzig war, also nicht winzig, oder doch, aber jünger. Egal. Jedes Mal wenn ich den Nämlichen traf, ist er zum Klavier gehirscht und hat das für mich gespielt. 🙂

Schliiiiiießlich weiß ich wie duuuuuuu haaaaaiiiiißt …“

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Day-off

Morgen gibt es unerwarteter Weise einen Tag frei.
Drei Wochen bin ich schon so quasi in Geiselhaft. Es macht unheimlichen Spaß, aber es schlaucht ungemein.

Zwischendurch gibt es ganz interessante Begebenheiten. Man lernt Kursteilnehmer besser kennen. Von hinten kann man einige gut beobachten. Man bemerkt, wie sie in die Luft schauen, ihr Müsli anrühren, die Zeitung lesen, oder sich einfach gut unterhalten.
Dazu die Reaktion der Lehrer, wie gelassen sie einfach weiter unterrichten oder schlichtweg auszucken.
Am Mittwoch wäre Test gewesen, der wird auf Freitag verschoben.
Der Kurs verlängert sich durch den unvorhergesehenen freien Tag um einen Tag, worüber sich schon einige aufgepudelt haben. Ich kann das nicht nachvollziehen, weil ich finde den morgigen freien Tag herrlich. Er bringt mir mehr, als mir der eine Tag Verlängerung Kraft kosten wird.

Die Diskussion um die Lehrer ist ein wenig in den Hintergrund gerückt. Stattdessen berichtet man vom Fall Fritzl. Ein Schippl Presseleut aus aller Welt erwartet sich viel und ist enttäuscht keine Information zu bekommen. Nicht einmal den Angeklagten kann man abbilden, denn er hat sein Antlitz durch einen Ordner geschützt. Dieser wäre sein Privateigentum, so berichtet der Anstaltsleiter und beinhaltet den Essensplan für diese Woche. Heute mittags gab es Sojalaibchen mit Kartoffelpürree und am Abend ein Paar Frankfurter mit Senf und Gebäck. Nebuloses wird spannend erzählt.
Sonst wäre Herr Fritzl unauffällig.
Was hat man sich erwartet?

Das Urteil wird für Donnerstag erwartet.

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Lehrergutallesgut?

90% des Bildungsbudgets geht mit den Lehrergehältern drauf, daher ist es wohl verständlich, wenn man hier ansetzt, um zu sparen. (Was sollen wir machen, wenn kein Geld da ist?)

Die 10% Mehrarbeit sind meinem Verstandnis nach eine Erweiterung der Unterrichtszeit. Die Lehrer haben in Summe weiterhin 1700 Stunden Gesamtarbeitszeit. Diese Arbeitszeit besteht aus 36 Wochen à 20 Stunden – NEU 22 Stunden für den Frontalunterricht am Schüler. Der verbleibende Rest teilt sich in Vor- und Nacharbeitszeit für den Unterricht auf (Korrektur von Tests, Schularbeiten) und dann noch Gangaufsichten, Supplierungen und Sprechstunden, etc. Dieser letztgenannte Arbeitsbereich wird jetzt kleiner, weil die Lehrer mehr im Unterricht stehen sollen.

Die Mehrarbeit ist notwendig, weil die Klassengrößen kleiner werden sollen. Die angestrebte Klassenstärke von 25 Schülern kann unter dem momentanen Modell nicht verwirklicht werden.

Dass Lehrer durch die Mehrarbeitszeit ihren Posten verlieren sollen, entspringt der Phantasie der Lehrergewerkschaft. Herr Neugebauer lernt gerade dividieren und meint, es wäre so.

Frau Ministerin Schmied wird sich künftighin ihr Airbrush-Makeup selbst bezahlen (1400 Euro für zehn Pinselblasereien). Sie argumentiert (richtig), dass die Medienlandschaft nicht nur Minister auf Herz und Nieren und deren Eloquenz prüft, sondern diese auch fotografiert und veröffentlicht, wenn sie wie Dämonen aussehen (vgl. Lodenfraktion).

Keine Arbeitsplätze in der Schule – das ist überhaupt ein nettes Thema. Es stünde angeblich für keinen Lehrer ein Schreibtischplatz zur Verfügung. Warum sich Lehrer nicht in leere Klassenzimmer setzen können, verstehe ich auch nicht. Für mich hatte es immer den Anschein, Lehrer waren ganz froh, wenn sie von der Schule flüchten und zu Hause ihre Schularbeiten verbessern konnten. Das ist eben der Vorteil für Lehrerinnen, die zugleich Mütter sind und sich ihre Zeit so einteilen können, wie es sich mit dem Familienmanagement besser ausgeht.
Also sollten die Lehrer nicht Dinge verlangen, die sie eigentlich gar nicht wollen. Glaub ich halt …

Ich bin schon gespannt wie ein Hosengummi, wie das Budget im Endeffekt aussehen wird.

P.S.: Die einzelne Dame im Cremer Fotoblog konnte ich auch schon aus meiner Erinnerung holen. Wenn mich nicht alles zwickt, ist sie die große Schwester eines ehemaligen Freundes. Das liegt aber schon Ewigkeiten zurück – ich muss die Fotos raussuchen.

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