Dienststellenversammlung

Ein Wort, das mir einmal irgendwie im Magen quer liegt. Ich weiß nicht, wie andere sich dabei fühlen, wenn sie dieses Wort hören, aussprechen oder fühlen.
Es ist eine andere Umschreibung für Streik.
Generell ist Österreich ein sehr streikarmes Land. Als guter Blogger, müsste ich jetzt einen Link zu Statistik Austria finden, der belegt, dass es so ist. Es ist aber so. Wenn wer bei uns streikt, dann ist es unsere marode Airline – und zwar speziell das Bodenpersonal, das sind nämlich die „underdogs“ der AUA, die für einen Apfel und ein Ei arbeiten. Und dann sind es unsere Lehrer, die meiner Ansicht nach gar nicht so schlecht mit ihrer Bezahlung bedient sind.
Vom Gefühl her, liegen die Lehrer in der Streikstatistik sehr knapp dahinter. Das Lehrpersonal, so sage ich als leidgeprüfte Schülerin, die in der Oberstufe immer unter den Spitzenreitern der Fehlstunden zählte, sind Lehrer für mich ein rosarotes Tuch. Ich mag kein Rosa, Rot aber schon.
Letzte Woche, oder vielleicht auch schon früher, hat unsere Unterrichtsministerin den abwegigen Vorschlag gemacht, unsere Lehrer sollten doch zwei Stunden mehr hackeln. Eine vernünftige Argumentation von Ministeriumseite ist mir jetzt nicht im Kopf, was aber nicht verwunderlich ist, denn Lehrer und dazugehöriger Proporz haben ein außerordentlich schlechtes Image in der österreichischen Bevölkerung. Ich denke aber, 50% der Bevölkerung denkt sich, zwei Stunden mehr (das sind zehn !!!! Prozent Mehrarbeitszeit) sind total ok, wenn ein Haufen der Arbeiter und Angestellten zur Kurzarbeit aufgerufen werden.
Die Lehrer sehen das allerdings als Affront, weil Turnlehrer und Zeichenlehrer (ja, ich polemisiere) so viel Vor- und Nacharbeit in ihrer Unterrichtszeit haben, dass sie sich ohnehin als unterbezahlt sehen. Kann mir wer kurz aushelfen, wie viel Urlaubstage ein Lehrer hat? In Wien sagen wir: „Das is a g’mahte Wiesn“, „ollaweui ma hettat so an Dschob, wo ma so wenich hackln miassat.“. Viele, der Altgedienten sind pragmatisiert, das heißt unkündbar. Und interessanter Weise, sind das die Lehrer, die man als Eltern gedanklich auf den Scheiterhaufen schicken würde. Hexenverbrennung pur! Die Jungen sind im Normalfall total engagiert und gerade die arbeiten unter sehr widrigen Bedingungen.

Kommen wir auf den status quo zurück. Schmied = BM für Unterricht, Kunst und Kultur bleibt beharrlich bei ihrer Forderung, droht mit Rücktritt (fürcht – jeder Mensch ist ersetzbar …) und bekommt natürlich Rückendeckung vom roten (Bundeskanzler)Lager. Wir erinnern uns, Faymann hat die Kasperlstimme. (Ein kluger Blogger verlinkt jetzt auf seinen eigenen Blogeintrag, aber ich will jetzt nicht suchen – sorry.)

Die Schulen sagen ausdrücklich sie streiken nicht, aber sie rufen zu einer Dienststellenversammlung auf. Die Ministerin meint, der Unterricht soll dabei nicht beeinträchtigt werden. Die Lehrer zeigen ihr den Stinkefinger und machen bundesweit ihre Dienststellenversammlung zwischen 8.oo – 10.oo Uhr. Außerdem kramt irgendein gelangweilter W.xx.r (ich schreib extra nicht „ch“ statt „xx“ damit google etwas zu denken hat) in ihren Abrechnungen und findet heraus, Frau Ministerin lässt sich für länger dauernde Auftritte unter Scheinwerferlicht ein Airbrush-Makeup“ machen. Dank Frau Ministerin weiß ich, dass es so etwas gibt. Ich dachte immer nur, man verschönert mittels Airbrush die Motorhaube eines Opels (kauft Opel, die krachen auch wie eine resche Kaisersemmel – sch..ß Wirtschaftskrise, man kommt vom Hundertsten ins Tausendste). Und so passiert es, dass die Tageszeitung „Der Standard“ eine winzige Spalte dem Anliegen der Ministerin widmet, die Versammlung nicht während der Dienstzeit zu machen. Dafür gibt es vier fette Spalten, die das Thema des „Airbrush-Makeups behandeln, wobei mir trotz der Länge des Artikels noch immer keine Empfehlung gegeben wurde, wo Frau Ministerin hingeht. Ich mein, man kommt auch ins Alter und in Falten … that’s why I’m asking for ….

Ortswechsel: In und aus der Schule.
Generell werden Informationen aus der Schule nur mehr per Download von der Homepage angeboten. „Weil die Kopierkosten so hoch geworden sind“. Die Eltern berappen für Kopien aber 25 Euro im Jahr, um diese Kosten abzudecken. Wenn es aber zu einer Dienststellenversammlung kommt, dann schreiben wir in 14pt mit 1 1/2 zeiligem Abstand eine Rechtfertigung, warum wir am Donnerstag zwischen 8 und 10 ein Kamingespräch in der Schule machen und kopieren das für Schüler UND Eltern. Die Schüler werden eindringlich darum gebeten , es unterschreiben zu lassen, wo sich sonst kein Schwein darum kümmert, ob irgendwelche Infos durch Unterschrift zur Kenntnis genommen werden.
Außerdem werden Maturanten von sozialistischen Gewerkschaftslehrern befragt, wie sie die Lage beurteilen. Wie Maturanten objektiv dieses Thema kommentieren, brauche ich wohl nicht extra auszuführen. So sind unsere Pädagogen, die sich im Schulbetrieb als Frau oder Herr „Professor“ betiteln lassen. Ein Titel, den sonst nur Universitätsprofessoren tragen.

Die Argumentation für die Versammlung während der Dienstzeit, die dezidiert kein Streik ist!

Zwei Stunden mehr, heißen nicht mehr Schulqualität.
Weil die Lehrer deswegen nicht mehr Zeit haben. (Aha, was machen sie mit den 2 Stunden? Noch dazu wo jetzt die geburtenschwachen Jahrgänge gerade in die Schule drängen.)
Die jungen Lehrer werden gekündigt. (Stimmt das? Und wenn ja, vermutlich deswegen, weil die alten -ungustigen- Hasen auf ihren Posten sitzen.)
Man surft auf der Qualitätsschiene, hört aber von den Lehrern NIE wie sie diese verbessern wollen. Ganz im Gegenteil redet sich der Lehrkörper immer auf das Ministerium aus, warum die Lehrer ihren Lehrauftrag (Stichwort PISA) nicht erfüllen können. Fällt ihnen dieser Widerspruch gar nicht auf?
„Wir wollen mehr Zeit für Ihr Kind“ – nicht weniger. Plus zwei heißt eigentlich mehr und nicht weniger. Kann mir wer in Mathe helfen?
Dividieren heißt gerecht teilen – wenn die Industrie Kurzarbeit macht, wieso sollen dann Lehrer nicht auch einen Beitrag leisten. Oder was ist gerecht?

Pflichtschauen: Bei Cremers Fotoblog! Ich frage mich, ob der Titel zufällig so lautet, oder ganz gezielt darauf hinweist.
Dazu muss man sagen, dass ungefähr 90% der Lehrerschaft weiblich ist. In dieser abfotografierten Lodenfraktion aber fast nur Männer vertreten waren, die knapp vor der Pensionierung standen. Außerdem kenn ich die Frau Gewerkschafterin von irgendwo und ich weiß nicht woher. Kann mir wer helfen? Ich kenn die Tussi. Hilfe, ich werde doch nicht bei einem Kindergeburtstag mit ihr auf einem Tisch gesessen sein. Doppeltes Hexenkreuz hinterm Rücken verstecke.

25 Kommentare

Eingeordnet unter befindlichkeiten, Die Welt

25 Antworten zu “Dienststellenversammlung

  1. wie gut, dass Du nicht in Frankreicht lebst, hier streikt ständig jemand….und, das Komische, man gewöhnt sich dran, dass ein normaler Brief ca. 3 Wochen braucht die Metro halt mal ausfällt ( nehme ich eh nie), der Müll ab und zu auf der Strasse bleibt etc….

    Gibt schlimmeres…..Lehrer streiken hier jeden Monat….

  2. Schüler freuen sich doch über Dienststellenversammlungen. Schulfrei.

  3. Ich sage nur soviel: für die Gewerkschaft können die Lehrer Nichts … 😦

  4. @Bolli: Tatsächlich – lebt es sich in F so streikintensiv? Mich ärgert bei der Lehrerstreiksache nur, dass es seit Jahrzehnten nicht möglich ist, das Bildungssystem so „umzukrempeln“, dass alle dabei gewinnen. Und vorallem, wenn Streiks am Rücken anderer ausgetragen werden. Was ist das für eine „Streit“kultur?

    @lamiacucina: Na klar, für die kids ist das unheimlich lässig, wenn sie einmal bis knapp vor neun schlafen können. Das könnte für sie jeden Tag so ablaufen. 😉

    @rufus: Gegenfrage: Gibt es eine Pflichtmitgliedschaft bei der Gewerkschaft? Sollen sich doch die Lehrer endlich von diesem Deppenverein lösen! Gewerkschaften bremsen Entwicklungen aus!
    In obengenanntem Fall war das Abstimmungsergebnis 46 zu 3, die für Streik stimmten. Und es wird sich nichts ändern. Das wäre dann so, wenn man jedes Mal bei Lösegeldforderungen nachgibt. Ich spendiere Schmied ein Airbrush Makeup, wenn sie hart bleibt.

  5. -> bei uns im fernen Qypeien werden selbst mitmachportale bestreikt, wahrscheinlich von lehrern und müllmännerInnen..
    super artikel, erst recht die wunderbar lodenden, einge_ixxten und geairprushten wiesn – total knorke!

  6. hier in Frankreich wurde gerade im Dezember, nach zahlreichen Streisk, Demos etc, die 1000000000000000000000000000000000. Schulreform erstmal beiseitegelegt.
    Jeder neue Erziehungsminister versucht es…..und derweil beibt es dabei, dass die Fransozen weiterhin so schlecht die Sprachen erlernen….

  7. tja, wenn mama und papa nur wienerisch redn, lernt s’kind nicht gar so leicht französisch..

  8. ich habe jedes einzelne foto in cremers photoblog gesehen, seit er online ist. manchmal muss ich wochen „nachschauen“, aber das stört mich nicht. ich als selbstständige frage mich immer, was passieren würde, wenn ich einmal streiken würde. und zwei stunden? entschuldigung bitte, ich finde das einfach lächerlich, diese korinthenkackerei. es geht doch um ganz was anderes, und qualität lässt sich bekanntlich nicht in zahlen festmachen. eine resche kaisersemmel zu einem heissen gulasch, bitte. unsere therme ist hinich und da wird’s schön langsam kalt hier…

  9. Ich muss jetzt auch etwas sagen zu diesem Thema: das Gejammere um die 2 Stunden kann ich nicht mehr hören – obwohl wir zwei Lehrerinnen in der Familie haben, wäre ich für eine Ganztagsverpflichtung der Lehrer an der Schule – einen Computer sollen sie haben, aber nicht Nackerte schauen, sondern sich um die Kinder kümmern.
    Eine Nachbarin von uns ist Werken-Lehrerin an einer Volksschule – was glaubst, was die für Vorbereitungszeiten hat für zwei links/zwei rechts! Und das Schularbeiten-verbessern! Die Arme. Ich kann diese Diskussion mitsamt dem blaaden Gewerkschafter nicht mehr sehen!

    Und noch etwas – ich hätte in meiner Berufszeit sagen sollen: ich mache eine Dienststellenversammlung – da hätt ich lieb ausgschaut.

  10. @Lreporter: Ich darf nichts sagen, ich bin im fernen Qypien ebenfalls im Streik, aber aus ganz anderen Gründen – nämlich nicht, weil mir die Farbe nicht gefällt, sondern weil mir das menschliche Grundgerüst der Macher und deren Handlanger nicht gefällt.
    Danke 🙂

    @Bolli: Mittlerweile können ja schon ein paar Franzosen Englisch. Ich habe aber das Gefühl, das ist eine Grundeinstellung der Franzosen, wie wenig man andere Sprachen spricht. Man soll einfach Französisch lernen, wenn man mit ihnen kommunizieren will. 😉

    @Lreporter: Die Sprache ist für mich auch ein rotes Tuch – ich mein das Franze.

    @katha: Gib dir einmal das Interview vom „Betonmann“ Neugebauer das Rauscher für den Standard führte.
    Qualität kann man freilich nicht in Zahlen festmachen, aber es wäre einmal ein schöner Erfolg, wenn wir evaluieren würden und zwar nicht nur die Schüler per PISA, sondern auch die Lehrer.

    @Wienermaedel: Der GÖD verhärtet die Fronten noch mehr. Seitdem ersichtlich ist, dass fast 90 % der Lehrer für einen Streik bereit sind, hat die Gewerkschaft einen sehr regen Mitgliederzuwachs, damit sie aus dem Streikfond bezahlt werden können. Und daraus ist ersichtlich, wie die ganze Denke der Lehrer abläuft. Ich bin schon sehr gespannt, wenn Pröll sein Budget bekannt gibt und die Katze aus dem Sack lässt.
    Einem Argument Neugebauers muss ich zustimmen, das zuständige Ministerium darf nicht über die Presse mit ihren Mitarbeitern kommunizieren – das schafft nur Unzufriedenheit.

  11. ich hab mit einem Lehrer geredet – der ist nicht gut auf die Ministerin zu sprechen. ziemlich sauer sogar.
    am 21. April hält Pröll seine Budgetrede.
    Ich denke, da gehört geklotzt und nicht gekleckert – diesen Ausdruck wollte ich schon immer mal verwenden.- Wozu Landesschulratspräsidenten?
    Kein Wunder, wenn Lehrer frustriert sind – das Lehrerzimmer ist ja wirklich ein Fuzikammerl wo es kaum zum Arbeiten geht. ich denke an das Konferenzzimmer meiner alten Schule. Direktoren sollen absetzbar sein. und ja, Lehrerevaluierungen.
    was mich an dieser Debatte stört ist – das von Seiten der Gewerkschaft nur um die Alteingesessenen geht und nicht auch um die Junglehrer.
    was die Schmied angeht: ich wäre auch beleidigt, wenn mir wer was über die Medien ausrichtet – aber das ist eine beliebt Methode bei der SPÖ (ich sag nur EU-Kroneleserbrief. wahrscheinlich machen sie es deshalb – weil das die ÖVP so aufregt. da gab es letzte Koalition paar so Sachen.
    und ehrlich, dass sie sich schminkt sehe ich als Frau auch ein. Nur 1440 Euronen für die Schminke ist für mich ein Hohn. Andere müssen mit dieser Summe im Leben auskommen und da halte ich das schon für unangebracht, dass es das Ministerium zahlt.
    dass es sowenig Streiks in Österreich gibt, ist Schuld von der Sozialpartnerschaft. ein hoch auf die Sozialpartnerschaft! 😉 ich weiß du magst sie nicht, aber ich verstehe bei Gott nicht weshalb wir eine Streikkultur brauchen wie von Menasse gefordert. eine Diskussionskultur ja, aber ich halte nunmal das verhandeln am grünen Tisch einfach die bessere Diskussionskultur wie der Klassenkampf auf der Straße.

  12. @lilly – mir gefällt der titel: die macher und ihre handlanger – egal, wovon sie sich korrumpieren lassen, als mitarbeiter und lohnempfänger krähst du immer das lied deines herrn und wahrscheinlich würd ich ähnlich handeln.
    der revolutionäre charakter des bloggens ist die freie meinungsäußerung, alles ist erlaubt. reglementierungen dagegen sind eine herausforderung und jetzt [in diesem moment] höre und spüre ich die worte des schamane in der N3-talk-show, sie spielen mir einen streich. ähm, also, du weißt schon..

  13. @entegutallesgut#4: selbst wenn sie gar keine Mitglieder mehr haben, werden sie mauern, was das Zeug hält.

    @weltbeobachterin: ich rede auch öfters mal mit einer Lehrerin – da bekommt man die vielen, vielen kleinen Details mit, die in dieser 2 Stunden mehr oder weniger Debatte gar nicht vorkommen. Es ist doch einiges komplizierter und da kann ich die Lehrer schon verstehen. Aber die Argumentation der Gew. ist ja meist anders, weil die ja anscheinend gar nicht wissen (wollen), was läuft. Und dass sie nicht einmal die einfachsten Fragen (z.B. nach den vielen freien Tagen) beantworten können, auf die sie ja gedrillt sein sollten, ist jedenfalls höchst peinlich.

  14. Erste Anmerkung: Die unter „Bezahlung“ verlinkte Statistik sagt rein gar nichts darüber aus, wieviel oder wie wenig ein Lehrer am Monatsende aufs Konto kriegt.
    Zweite Anmerkung: NIEMAND wird ungefragt zehn Prozent Mehrarbeit ohne Lohnausgleich machen wollen.
    Dritte Anmerkung: Wer den tatsächlichen Arbeitsaufwand des Lehrberufes ermessen will, sollte mal ein Jahr lehren. Ähnlich wie die Pfarrer, denen schon Annette von Droste unterstellte, sie würden den Tag mit Rauchen, Alkohol und schönen Künsten verbringen und nur am Sonntag mal ne Stunde was NÜtzliches tun (wenn denn überhaupt). Hat sich mal jemand gefragt, warum der Krankenstand unter den Lehrern so hoch ist? Nein?
    Vierte Anmerkung: Ferien kommt von „faire rien“, nichts tun. Sagt der Volksmund, zumindest der gebildete. ICH weiß, was Lehrer in den Schulferien tun…
    Fünfte Anmerkung: In manch anderem europäischem Land haben Lehrer fünfzehn bis sechzehn Wochenstunden. Das sind die Länder, wo die besten PISA-Ergebnisse auffallen… und die Zeit für die Schüler, das ist wohl nicht die Zeit, die in und vor der Klasse verbracht wird, sondern die Zeit für Einzelbetreuung, Schülergespräche, etc.
    Sechste Anmerkung: wenn in der Industrie Kurzarbeit geleistet wird, dann weil die Produkte nicht abgesetzt werden können. Mehrarbeit in der Schule liegt nicht an mangelndem Absatz von Bildung, sondern an mangelndem Investitionswillen des Staates. Man bräuchte mehr Lehrer, aber statt arbeitslose Pädagogen von der Straße zu holen, läßt man die anderen über die Schmerzgrenze hinaus arbeiten.
    Siebte Anmerkung: Ich glaube keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe. Soll Churchill gesagt haben. In diesem Fall: „90% der Lehrerschaft weiblich“ ist schlicht falsch. Das trifft nur auf Österreichs Grundschulen zu. Auf die Gesamtheit der Schulen Österreichs gesehen, sind es „mehr als zwei Drittel“, in Berufsschulen etwa die Hälfte. (Quelle: statistik.at)

    Schlußbemerkung: Auf Lehrern rummatschen macht Spaß. Fast so sehr wie auf dem Vatikan. Ist aber ungefähr so sachgerecht wie die Behauptung, Ballerspiele würden Amokkiller schaffen. Oder „Fleisch essen macht übermütig“ (Dickens: Oliver Twist). Wir wollen immer mehr Erziehungsarbeit von den Eltern auf die Schulen übertragen. Dann brauchen wir entsprechend auch immer mehr Lehrer pro Schüler. Aber bitte Lehrer, die noch Kapazitäten haben, und nicht ausgebrannte Wracks.
    Darum: Die Zahl der Lehrer um 50% erhöhen. Die Ausgaben für Lehrmittel und Schulräume ebenfalls. Das Geld dafür ist da… man muß es nur sehen wollen.

  15. @rufus ich gebs zu, ich hab was die GÖD von sich gibt nicht ganz verfolgt. nur was in den Radioberichten gab.
    hab momentan andere Sorgen.

  16. @ Wolfram:
    Bravo, schön daß auch jemand für die Lehrer in die Bresche springt. Ich kenne selbst drei Lehrer (eine weiblich!), und die reissen sich wirklich den Arsch auf. Das trifft wohl nur auf diejenigen zu die sich echt engagieren, aber diese drei tun es. Gestreikt wird wohl am liebsten von den beamteten, alten Lehrkräften; und diejenigen die sich wirklich reinhängen sollen plötzlich 10% Mehrarbeit leisten, das würde ich auch nicht wollen.

  17. @Weltbeobachterin: Ich habe eine Ergänzung heute geschrieben, da sage ich auch etwas über das Lehrerzimmer.
    Schminke und Kleidung – Diese Leute stehen in der Öffentlichkeit und müssen auch was darstellen. Herr Obama hat 10 ständige Kosmetiker angestellt, damit seine schöne Gesichtsfarbe auch gut zur Geltung kommt.
    ich finde Streiks blöd – sie bringen die Leute mehr auseinander, als auf einen Verhandlungstisch.
    Daher finde ich es auch recht gut, wenn die Koalition zur Zeit Kuschelkurs fährt, besser als die sinnlose Streiterei wo nichts rauskommt.

    @rufus: Sowohl die Ministerin als auch die Lehrer kommunizieren nicht, welche Wünsche sie haben. Stattdessen lassen sie den Neugebauer reden, der vermutlich auch wie der Blinde von der Farbe redet.

    @Wolfram: Bezahlung – siehe Lehrergutallesgut.
    Zweite Anmerkung: Das ist eine reine Verschiebung der Dienstzeit innerhalb einer pauschal abgegoltenen Gesamtarbeitszeit. Außerdem gibt es zahlreiche Arbeitsfelder, die zur Zeit kurzarbeiten, daher ist es nicht verständlich, wenn eine Berufsgruppe mauert. Zumindest macht es den Anschein, sie wollen darüber nicht reden.
    Über die Krankenstände kann ich nichts sagen. Mir tut aber leid, dass die Lehrerschaft so ein schlechtes Ansehen hat und das sicherlich auch eine psychische Belastung darstellt.
    Ferien – Da ich Lehrer im Freundeskreis habe, weiß ich was sie in den Ferien tun, nämlich NICHTS! Es gab bereits einen Diskussionsansatz, die (verpflichtende) Weiterbildung der Lehrer sollte in den Ferien erfolgen, damit der Unterricht durch Ausfälle nicht beeinträchtigt wird. Den Aufschrei der Lehrer hättest du hören sollen.
    Einzelbetreuung – die gibt es vereinzelt, das stimmt. Aber auch nur von den engagierten Lehrern. In Ö. ist das finanzielle Aufkommen für Nachhilfekosten von Schülern bei 50 Millionen Euro!! Wenn wir diesen Betrag ins Bildungsbudget einfließen lassen würden, dann hätte jeder Schüler vermutlich Einzelunterricht übers Jahr.
    Arbeitslose Pädagogen – alle jammern über die unzumutbaren Arbeitsbedingungen von Lehrern und dieser Ausbildung wird noch immer bevorzugt. Ich frage mich wieso eigentlich, wenn man weiß, es gibt keine Jobs für Lehrer. Das ist genau so, wie wenn ich jetzt noch Archivar lernen möchte, obwohl es dafür keine Jobs mehr gibt.
    Verteilung Weiblein und Männlein – ich gebe dir Recht. 70% sind weiblich und der Rest männlich.
    Letzter Absatz: Es macht keinen Spaß auf Lehrer herumzumatschen, nur sind sie auch für ihr schlechtes Image selbst verantwortlich. Auch Polizisten mag keiner ….
    Was auf jeden Fall stimmt, dass der Bildungsauftrag teilweise im Hintergrund tritt, weil immer mehr Lehrer auf die „social skills“ der Schüler einwirken müssen. Die Erziehungsarbeit ist weit mehr angesagt, als die Bildungsarbeit. Wenn Mamas aber ihre kids in Säuglingskrippen stopfen, um in ihrer Karriere keinen Knick zu haben, dann wurde die Erziehungsarbeit in fremde Hände gelegt und man darf sich darüber nicht wundern. Ehrlich ist jene Frau die sagt, ich will keine Kinder, weil mir die berufliche Anerkennung und der Wohlstand wichtiger sind.

    Geld ist keines da Wolfram. Es ist nur die Frage, ob man die Summe der Verschrottungsprämien nicht lieber ins Bildungsprogramm hätte einfließen lassen sollen, als marode Autoproduzenten zu subventionieren. Auch wenn jetzt ein Aufsschwung zu sehen ist, sind die Autokäufe/umsätze nur vorgezogen – der Umsatzeinbruch kommt wieder, nur zeitversetzt später nach dem Absetzen der Prämie. Man kauft sich nicht halbjährlich neue Autos. Das ist die Kurzsichtigkeit der Politiker.

    @George: Wenn du als Selbständiger dich mehr reinhängen musst, weil das Geschäft einfach schlechter geht, denkst du dann auch so? Du sperrst die Bude einfach zu, weil du um’s gleiche Geld nicht mehr arbeiten willst? Gewerkschaften haben sich Solidarität ans Hemd geheftet und leben sie nicht, das stinkt einfach!

  18. Weiterbildung in den Ferien geht nur, wenn es da ein Angebot gibt …

  19. @rufus: Ich weiß, dass das Bildungsangebot nicht da ist, weil sich die wiederum nach den Lehrern richten. Es ist einfach verhext. Aber gib zu, die Lehrer haben sich aufgeregt, weil sie sich in ihren Ferien nicht auch noch in einen Kurs setzen wollen. Und das kommt einfach blöd.

  20. Polizisten mag keiner? Warum denn nicht? Weil sie Strafzettel ausfüllen für den, der zu schnell gefahren oder falsch parkiert ist? Es gab mal Zeiten, da wurde der Überbringer einer schlechten Nachricht umgebracht. Dabei war er an der Nachricht so unschuldig wie der Polizist an der Knolle; beide tun ihre Pflicht zum Wohle der Allgemeinheit.

    Lehrer sollen an 25 Kindern stündlich Erziehungsarbeit verrichten, macht täglich im deutschen Schulsystem im Schnitt 125 Kinder… Eltern haben im Schnitt 1,4 Kinder…
    da läuft ganz woanders was falsch als im Schulsystem. Wenn den Eltern (beiden!) die Karriere wichtiger ist als ihre Kinder, dann sollen sie sich mal in Frage stellen. Aber nicht ihre eigene Pflicht Leuten überantworten, die dafür in dieser Massenkonstellation nicht ausgebildet sind. Und dann noch nölen, „der macht meine Aufgaben nicht richtig!“ (Ich hätte da mal eine Leseempfehlung… die KOmmentare bitte nicht vergessen!)

    50 Mio Euro Nachhilfestunden, das sind, bei 12,50 Euro pro Stunde (nehm ich jetzt mal als Richtwert an, je nach Güteklasse des Nachhelfers natürlich mehr oder weniger) 4 Mio Nachhilfestunden. Vierhunderttausend Nachhilfeschüler? (wie viele Schüler gibt es in Österreich, bei 17 Mio. Einwohnern? Zwei Millionen? Dann wäre jeder fünfte Schüler nachgeholfen?) Ob die wohl wirklich auf der richtigen Schule sind, wenn sie konsequent Nachhilfe benötigen? Ja, ich hatte Mitschüler, die nur mit ständiger Nachhilfe überhaupt durch die Schule gekommen sind. Sie wären an einer Realschule wesentlich besser aufgehoben gewesen!
    Andererseits war jeder zweite meiner eigenen Nachhilfeschüler eigentlich durchaus in der Lage, seinen Rückstand aus eigenen Mitteln aufzuholen; er brauchte lediglich eine Anleitung (das leistet vielleicht ein guter Lehrer, wenn er die Zeit dazu hat…), und den Rückhalt (sprich: Aufsicht), sich auch wirklich ranzuhalten. Das aber ist Sache des Elternhauses. Darum hab ich mal einen Schüler nach vier Wochen abgegeben und der Mutter gesagt, wie er arbeiten muß und wie sie drauf achtgeben muß. Das hat sie getan, ich hab noch ein Dankeschön gekriegt, und am Schuljahresende war er auf dreiplus.

    Ich weiß übrigens nicht, warum das Studium auf Lehramt so beliebt sein soll; womit werden die denn dahingelockt? Hier in Frankreich ist es der Beamtenstatus… und sind Lehrer auch längst nicht so verschrien wie im Deutschsprachigen; aber in Österreich? Vielleicht grad auch für viele Frauen der Ausweg aus einer Anstellung in der freien Wirtschaft, und der Staatsdienst an sich soll ja in Österreich noch ein gewisses Ansehen besitzen, zumindest bei den Staatsdienern. Klär mich auf.
    Jedenfalls weiß ich eine ganze Reihe Leute, die nach dem ersten Schulpraktikum radikal die Zielrichtung gewechselt haben.

  21. @Wolfram: Den Link geb ich mir – jetzt muss ich weg.
    Österreich hat 8 Mio Einwohner – wir sind klein. 😉
    Lehrer waren früher pragmatisiert und hatten eine schulfeste Stelle. Pragmatisierungen gibt es nicht mehr, aber schulfeste Stellungen, die so wie eine unkündbare Stelle sind. Frag mich nicht so genau, da müsste sich rufus darüber auslassen, der hat die Quelle bei sich zu Hause. Meine Freundinnen reagieren grantig, wenn man sie auf deren Privilegien anspricht.

    Ob die Schüler auf der richtigen Schule sind, wenn sie Nachhilfe brauchen, kann ich nicht sagen. Ich weiß aber von einer Mathelehrerin, die in einem humanistischen Zweig unterrichtet, dass 80% ihrer Schüler regelmäßig Nachhilfe bekommen. Und die 80% stimmen diesmal sicher, weil die Info frisch ist. Sie reagiert äußerst verschnupft, wenn es Schüler gibt, die nicht so schnell auf ihre Logik aufspringen und hilft ihnen nicht weiter. Lapidare Antwort: Hättest besser aufgepasst.

  22. Wenn denn tatsächlich statistisch jeder zweite Schüler Nachhilfe bekommt, dann ist was faul im System. (Manche haben aber auch Nachhilfe in mehreren Fächern; das entschärft die Statistik.)
    80% der Schüler einer Klasse mit Nachhilfe? Da sollte sich, sage ich mal so aus dem Bauch heraus, durchaus der Lehrer fragen, was falsch ist. Die Lehrpläne sind erst mal vorgegeben. Aber neben dem Was gibts ja noch das Wie…
    andererseits: in manchen Brennpunkten darf man sich über nichts wundern…

    und ich habs gut in meinem Unterricht: die Richtlinien mache ich selbst, die Unterrichtsziele auch – und die Schülerinnen mauern eh. :>

  23. @Wolfram: Und da wären wir wieder bei einem Land mit gutem PISA-Erfolg. In Finnland wird die Qualität der Lehrer am Schulerfolg der Schüler gemessen. Außerdem gibt es in diesem Land eine einheitliche Matura an einem Tag. Da leben wir noch in der Steinzeit.

  24. Da weißt du mehr als ich, und kann ich aus deinen Zeilen nicht genau erkennen, was du meinst. Erzähl mal mehr.

  25. @Wolfram: Meine Wissensquelle habe ich schon seit einiger Zeit nicht mehr gesehen, daher habe ich noch keine Antwort darauf.
    Aber es tut sich ja etwas in Sachen Lehrer. Die Streikandrohung liegt im Raum und die Lherergewerkschafter kommunizieren via Tageszeitung mit der Ministerin. Alleine für dieses soziale Verhalten schicke ich sie mit einem Fünfer nach Hause. Ich könnte bei so einer Vorgangsweise die Wände hinaufgehen, weil das so derartig ungeschickt ist.

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