Lehrergutallesgut?

90% des Bildungsbudgets geht mit den Lehrergehältern drauf, daher ist es wohl verständlich, wenn man hier ansetzt, um zu sparen. (Was sollen wir machen, wenn kein Geld da ist?)

Die 10% Mehrarbeit sind meinem Verstandnis nach eine Erweiterung der Unterrichtszeit. Die Lehrer haben in Summe weiterhin 1700 Stunden Gesamtarbeitszeit. Diese Arbeitszeit besteht aus 36 Wochen à 20 Stunden – NEU 22 Stunden für den Frontalunterricht am Schüler. Der verbleibende Rest teilt sich in Vor- und Nacharbeitszeit für den Unterricht auf (Korrektur von Tests, Schularbeiten) und dann noch Gangaufsichten, Supplierungen und Sprechstunden, etc. Dieser letztgenannte Arbeitsbereich wird jetzt kleiner, weil die Lehrer mehr im Unterricht stehen sollen.

Die Mehrarbeit ist notwendig, weil die Klassengrößen kleiner werden sollen. Die angestrebte Klassenstärke von 25 Schülern kann unter dem momentanen Modell nicht verwirklicht werden.

Dass Lehrer durch die Mehrarbeitszeit ihren Posten verlieren sollen, entspringt der Phantasie der Lehrergewerkschaft. Herr Neugebauer lernt gerade dividieren und meint, es wäre so.

Frau Ministerin Schmied wird sich künftighin ihr Airbrush-Makeup selbst bezahlen (1400 Euro für zehn Pinselblasereien). Sie argumentiert (richtig), dass die Medienlandschaft nicht nur Minister auf Herz und Nieren und deren Eloquenz prüft, sondern diese auch fotografiert und veröffentlicht, wenn sie wie Dämonen aussehen (vgl. Lodenfraktion).

Keine Arbeitsplätze in der Schule – das ist überhaupt ein nettes Thema. Es stünde angeblich für keinen Lehrer ein Schreibtischplatz zur Verfügung. Warum sich Lehrer nicht in leere Klassenzimmer setzen können, verstehe ich auch nicht. Für mich hatte es immer den Anschein, Lehrer waren ganz froh, wenn sie von der Schule flüchten und zu Hause ihre Schularbeiten verbessern konnten. Das ist eben der Vorteil für Lehrerinnen, die zugleich Mütter sind und sich ihre Zeit so einteilen können, wie es sich mit dem Familienmanagement besser ausgeht.
Also sollten die Lehrer nicht Dinge verlangen, die sie eigentlich gar nicht wollen. Glaub ich halt …

Ich bin schon gespannt wie ein Hosengummi, wie das Budget im Endeffekt aussehen wird.

P.S.: Die einzelne Dame im Cremer Fotoblog konnte ich auch schon aus meiner Erinnerung holen. Wenn mich nicht alles zwickt, ist sie die große Schwester eines ehemaligen Freundes. Das liegt aber schon Ewigkeiten zurück – ich muss die Fotos raussuchen.

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10 Kommentare

Eingeordnet unter befindlichkeiten

10 Antworten zu “Lehrergutallesgut?

  1. 2 Stunden mehr sind in einigen Fällen ein Einkommensverlust, 2 Stunden mehr sind in vielen Fällen 3 Stunden mehr, Lehrer verlieren keinen Job – die (Ein-Jahres-)Vertragslehrer bekommen halt keinen Vertrag mehr … aber sonst ist alles paletti, also fast alles zumindest, außer …

  2. faymann hat doch schon gesagt wo er sparen will. beim bundesheer. ob das sinnvoll ist mag ich bezweifeln, jedenfalls solange die republik plant ein bundesheer zu haben.

    aber mal ehrlich, was erwartest du von unserer politik? hast du die letzten jahre schon mal erlebt, dass es konstruktive vorschläge gegeben hätte (die auch die chance hatten umgesetzt zu werden)?

    und das thema lehrer ist ja wohl per se schon populistisch. schliesslich „arbeiten“ die lehrer ja nur um die 20 stunden. es ist aber wohl auch dir klar, dass dahinter noch mehr arbeit steckt, als nur in der klasse zu stehen. dass es aber reformen bedarf ist klar, denn pisa – und nicht nur dieses – lässt grüssen.

    doch traut irendwer unseren ministern und nationalräten reformwillen zu? warum sollten sie auf einmal?

    lg Gaugi

  3. @rufus: Du meinst 900 Stunden Vor- und Nacharbeitszeit können die 52 Mehr-Stunden pro Jahr nicht auffangen? Wenn ich mich an die ersten Argumentationen der Lehrer erinnere und die waren mehr als peinlich, als eine Geografieprofessorin beklagte, sie müsse immerhin jeden Tag Zeitung lesen, damit sie am aktuellen Stand wäre. Ich dachte immer, das wäre für jeden Staatsbürger mehr oder weniger normal und es macht jeder freiwillig. Schaun wir einmal ….

    @Gaugi: Bundesheer – wäre auch so ein Spezialthema. Da kommt zwar nicht so durch, was die Leute arbeiten, nur dass sie auf den Golan Höhen 3000 Netto verdienen und als Alkoholiker nach Hause kommen. Berufsheer wäre ok – ist das mit der Neutralität zu vereinbaren?

    Was ich mir von der Politik erwarte? Ich meine einmal die Damen und Herren Politiker sind nicht wirklich so deppert, wie sie tun. Die Problematik ist aber, dass man die Sprache für’s Volk verloren hat. Es kommt einfach nicht gut an, wenn man über die Medien seinen Mitarbeitern solche Neuerungen vermittelt. Das ist einfach unsensibel und höchstmöglich deppert.

    Das ist mir auch aufgefallen, dass nur die 20 Stunden pro Woche als Arbeitszeit bezeichnet werden. Denn 2 Stunden mehr auf die 1700 Stunden gerechnet ergeben nämlich nicht 10% Mehrarbeitszeit. Darauf sind aber die Gewerkschafter auch noch nicht gekommen, die schreien nur einmal und rechnen nicht.

    Ansätze für den Reformwillen gab es schon, nur scheitert man schon in den Grundzügen – Koalition, Sozialpartner….

  4. Da war ich wohl ungenau – in vielen Fällen gibt es die 2 Stundenfächer nicht, dann heißt es eben, weil oft nicht anders eingeteilt werden kann, 3 Stunden mehr machen – ob / wie die dann bezahlt werden, wird sich weisen und sollte die Vor-/Nachbereitung 1:1 sein, fällt dort natürlich auch was an …

    Aber DIE mit der Zeitung war schon super – ein Juwel.

  5. Gesetzt den Fall, Lehrer haben tatsächlich 36 Unterrichtswochen, dann machen zwei WOchenstunden mehr schon mal 72 Stunden im Jahr aus. Aber du fällst dir auch noch anders selbst in die Argumentation:

    einerseits gestehst du zu, daß die Arbeitszeit eines Lehrers wohl nicht nur in den Unterrichtsstunden besteht. Andererseits berechnest du die Mehrarbeit nur auf die zwei Unterrichtsmehrstunden. Jetzt frag ich dich: müssen die nicht vorbereitet werden? Müssen die nicht nachbereitet werden? Zwei Stunden mehr, das ist eine Klasse mehr, eine Konferenz mehr, ein Viertelhundert Eltern mehr… und damit stimmt die Rechnung einfach nicht.
    Ach ja, und auf die Gefahr, mich zu wiederholen: in den Ländern, wo die Schulen gute Resultate aufweisen, haben die Lehrer wenig Unterrichtsstunden und damit mehr Zeit, auf den einzelnen Schüler einzugehen. In den Systemen dagegen, wo Lehrer viele Unterrichtsstunden haben, werden Schüler über einen Kamm geschoren, in Schemata gezwängt, die ihnen nicht gerecht werden können.

    Mehrunterricht für Lehrer ist eine Ungerechtigkeit nicht nur für Lehrer, sondern vor allem für die Schüler.

  6. @rufus: Keine Ahnung, darüber weiß ich nichts.

    @Wolfram: poinlich – natürlich 72 und nicht fuffzig.
    Ich verstehe schon deine Argumentation und auch ich muss mich wiederholen: Wenn nicht mehr Budget da ist und eine Anpassung sukzessive erfolgen muss, dann geht es eben nur so.
    Was die Vorbereitung des Unterrichts anbelangt, gibt es diese und jene. Manche denken sich wirklich etwas dabei, wie sie Aktualität in die Materie bringen, die anderen kauen das durch, was sie vor 20 Jahren schon einmal unterrichtet haben. Deutschaufsätze werden mit einem Häkchen und „gesehen“ zurückgegeben und Englischhausübung wird mündlich während des Unterrichts durchgegangen.
    Generell wäre es wichtig, den Lehrern ein besseres Ansehen zu verschaffen und auch deren Motivation zu steigern. Denn beides ist im Keller und das macht die Durchsetzung von Reformen immer schwierig. Es gibt also noch viel zu tun.

  7. Gesetzt den Fall, eine Reihe Lehrer macht es so, wie du schreibst: wird dann nicht die Unterrichtszeitvermehrung die Sache noch verschlimmern, indem sie den motivierten Lehrern, die ihre Stunden vorbereiten, die Zeit dazu raubt?

    Ich bleibe dabei: die Länder mit den guten PISA-Ergebnissen haben die nicht wegen eventueller Ganztagsschulen, sondern wegen deutlich geringerer Unterrichtsstundenzahlen für ihre Lehrer.
    Und wenn man das Geld haben WILL, dann findet man es auch. Beispielsweise in der Abwrackprämie…

  8. @Wolfram: Ich gebe dir in allem Recht. (Auch wenn mir im Fall PISA ein detailgenauer Vergleich mit anderen Ländern fehlt.) Ich könnte mir auch vorstellen, wie das Lehrergebnis verbessert werden kann. (Zurzeit ist es ja so, dass Schüler nur für Prüfungen und Schularbeiten lernen und dazwischen auf der faulen Haut liegen.)
    Die Frage ist aber auch, ob die Alten Neuerungen annehmen und so weitermachen, wie bisher. Es tut mir leid, ich bin in diesem Fall ein schrecklicher Pessimist. Ich hoffe, du bist mir deswegen nicht gram. 😉

  9. Das mit dem „Lernen nur vor der Prüfung“ ist woanders auch nicht besser, selbst auf der Université, wo ständig drauf hingewiesen wird, „Sie müssen schon von Anfang an lernen; vor der Prüfungswoche können Sie das Pensum nicht aufarbeiten“. Wir hatten in der Schule unangekündigte Arbeiten – das war lustig…

    Vielleicht liegt tatsächlich was da im Argen, wo statt Lehrern Professoren lehren. Lehrer haben die Aufgabe, die Schüler zu instruieren; Professoren tragen nur ihren Kram vor… *duckwech weil polemisch*

  10. @Wolfram: Ich melde mich wieder, sobald es konkrete Hinweise über die Änderungen gibt. 😉 (Ich war ja auch polemisch – das darf man aber in einem Blog.)

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