Austroafrikanische Eissorte

Was assoziiert man mit Sommer?

Hitze – Eis – Loch

Miteinander kombiniert: Hitzestau, neue Eissorte und Redaktionssommerloch führen zu etwas eigenartigen Berichten.

Der Mohr hat in Österreich Tradition. Und zwar in einer Form, die in keinster Weise eine Beleidigung darstellt.
Er ist seit über 100 Jahren Firmenlogo eines alteingesessenen Lebensmittel-Imperiums. Also Imperium leider nicht mehr, weil heruntergewirtschaftet. Begonnen hat es mit dem Import von Kaffee und Kakao. Ich nehme an, daher kommt auch die Affinität zum Mohren und zur Kreation des Logos.

Wie lange es den „Mohr im Hemd“ in der österreichischen Mehlspeiskultur gibt, weiß ich nicht. Ein luftig kleiner, warmer Schokokuchen (lang bevor der Schokokuchen mit weichem Kern modern wurde), mit Schokosauce und Schlagobers = Hemd.
Niemals hat sich jemand darüber aufgeregt.
Jetzt gibt es von einem bekannten Eisproduzenten nach dem Apfelstrudeleis, das Mohr im Hemd Eis. Der Slogan „I will mohr“ ist für meine Begriffe wenig kreativ und etwas grenzdebil, aber wenn einem in der Hitze nichts besseres einfällt und man damit trotzdem Geschäfte machen kann, soll es so sein!
Simon Inou, vom Verein zur Förderung interkultureller Medienarbeit ist empört: „Solche Wörter sind für Schwarze im deutschsprachigen Raum eine der schwersten Beleidigungen.“
Der Mohr ist ein veralteter Ausdruck, der in frühen literarischen Werken Anwendung gefunden hat. Kein Mensch würde zu einem Schwarzen sagen: „Hallo Mohr, wie geht es dir?“ oder „Alle Mohren sind Dealer.“
Mit der Beschwerde beim Österreichischen Werberat hat sich der Verein für interkulturelle Medienarbeit selbst diskreditiert.

Wann endlich regt sich jemand in Wien auf, wenn Frauen als „Oide“ angesprochen werden, obwohl sie sich noch gar nicht alt fühlen und das als Beleidigung sehen. Und hört endlich auf Frankfurter Würstel zu essen, ich finde das schlichtweg obszön.

mohr
Quelle: DerStandard

19 Kommentare

Eingeordnet unter zeitungsente

19 Antworten zu “Austroafrikanische Eissorte

  1. Und erst die Wiener Würstchen … aber ich glaube, die Standard-Kommentare muss man sich später nochmals extra ansehen – die entwickeln sich😀

    Btw, hat der Mohr nicht in die Bank gewechselt?😉

  2. @rufus: Der Mohr hat auch im Bankgeschäft eine sehr lange Tradition. Diese hat ebenso wie des Lebensmittel-Imperiums ein böses Ende genommen.
    Ist ein kleiner Mohr dann ein Möhrchen?

  3. Möhre kommt tatsächlich von Mohr. Darf ich nur mehr Karotte sagen?
    ich verfolge diese Debatte schon seit längerem und mit Grinsen. Die Forumpostings sind tatsächlich lesenswert.
    Ich weiß zwar nicht welchen Kommentar du meinst, aber der von der Standardredakteurin Brickner ist wirklich mehr als jenseits von Gut wie böse, genauso wie der von Philipp Sonderegger.
    Wenn man will kann man an allem etwas negatives finden.

  4. michaela

    Es wurde ja auch über den „schwarzen Mann“ (Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann? – Niemand! Und wenn er aber kommt? Dann rennen wir davon!) geschrieben und dabei behauptet es wäre bei diesem Kinderspiel immer nur um Afrikaner gegangen. Da kann ich nur den Kopf schütteln. Wir „mussten“ dieses Spiel im KiGa spielen (hiermit oute ich mich als älteres Semester😉 ) und wir verbanden damit Männer die sich an Kindern vergehen wollten.
    Der Standart hätte den Afrikanern mehr gedient, wenn er kulturelle Unterschiede aufgezeigt hätte. So schaut ein Afrikaner den Mitmenschen nur ungern in die Augen, ganz einfach weil er es sehr unhöflich finden würde.

    Da fällt mir ein: Bin ich rassistisch weil ich jederzeit eine abfällige Bemerkung oder blöde Witze über die „Oranschenern“ oder die „Blauen“ machen würde? Muss ich mich da jetzt an der Nase nehmen?

  5. @weltbeobachterin: Die Kommentare sind tatsächlich lustig.
    Mit dem Kommentar meinte ich ein Interview mit Inou, das vom Standard geführt wurde.
    Übrigens hat Armin Wolf gestern in seiner ZIB genau auch über das berichet. Ob er wohl meinen Blog liest? :-)) (vermutlich eher den Standard)
    Generell sind solche Debatten wirklich lachhaft.
    Mich wundert nur, warum sich Schwarze (darf man sie so nun nennen oder nicht?) nicht dazu äußern. Es dürfte sie überhaupt nicht kratzen, ob es ein Eis gibt, das Mohr im Hemd heißt, gibt.
    Natürlich hat man vor 200 Jahren die Schwarzen, damals Mohren am Jahrmarkt vorgeführt. Gemeinsam aber auch mit Groß- und Kleinwüchsigen, Buckligen, Chinesen, also mit Menschen, die anders aussahen als der österreichische Normbürger.
    Und nach wie vor ist es so, dass Menschen mit anderer Hautfarbe auffallen, wenn sie durch die Wiener Vorstadt (oder irgendwo anders in Ö) gehen. Es kommt aber darauf an, wie man ihnen begegnet und welchen Respekt man ihnen entgegenbringt. Und das trägt man in sich, weil diese Werte nicht lernbar sind, im Gegensatz zu Ausdrücken, die man als Synonym für Mohr anwenden sollte.

    @michaela:
    Haben wir auch gespielt. :-)) Wobei ich mir überlege, wer der schwarze Mann für mich war? Ich glaube auch ein schwarz gekleideter Unbekannter. Keine Ahnung. Wir haben auch Räuber und Gendarm gespielt und ich war auch gerne Räuber, was nicht bedeuten soll, ich bin krankhafte Kleptomanin.
    Alles Schwachsinn!
    Was ich mir vom Standard wünsche? Interviews mit Betroffenen, was sie davon halten, wenn ein Eis Mohr im Hemd heißt.

  6. Ich weiß auch nicht… so manches kommt mir vor, wie „ein-vor-sich-hertragen-der-moralischen-keule“. du sagst es schon, es geht um die innere Haltung, schließlich hab ich nie was gegen die Schweden gehabt und hab sie seit meiner Kindheit immer bombig gerne verputzt. Und wer kann sich noch an das „Negerbrot“ erinnern, ich hab das Crispige Zeugs so geliebt… ist das jetzt böse oder doch eher eine Liebeserklärung gewesen? Ich glaub, da wird ganz schlimm am Thema bzw. am Problem vorbei gewettert… da kann man einfach leicht draufhauen, aber die echten Migrationsprobleme zu bewältigen, da fehlts dann eh wieder. Drum find ich solche Aufreger wirklich läppisch, ich wär beleidigt wenn ich ein Farbiger/Schwarzer/Neger/MitbürgermitMigrationshintergrund wäre, wenn das alles ist, was Österreich dazu einfällt, um Kulturunterschiede (nicht)begrifflich zu machen.

  7. @ellja: Du triffst den Nagel auf den Kopf. Was passiert, wenn alle „bösen“ Ausdrücke aus dem Sprachgebrauch verbannt wären und wir noch immer mit Integrationsproblemen kämpfen? Was muss dann herhalten?
    Das ist eine Scheinmoral, die wir als Schutzschild vor uns herhalten, weil Ethik so schwer mess- und herzeigbar ist, als das Eliminieren vom Mohr im Hemd. Schaut und hört!

  8. michaela

    Vor kurzem habe ich im Profil ein Interview mit E.T. Spira gelesen. Da ging es darum, dass sie als Antisemitin bezeichnet wurde, weil sie einen Mann gefragt hatte, ob jüdisches Blut in seinen Adern fließt. Sie antwortete in einem Leserbrief darauf: „Wenn zwei Juden sich unterhalten, mögen die Nazi-Kinder sich besser ruhig verhalten und nicht erklären, wie man sich politisch korrekt benimmt. An dieser Aussage nage ich jetzt noch herum.
    War sie überreagiert oder doch gerechtfertigt?
    Wahrscheinlich je nach dem, wie man zu dieser Frage steht.

  9. „Mitbürger mit Migrationshintergrund“ bin ich auch – aber nur in Deutschland; im Ausland bin ich ja nicht Bürger… wieder einen „politisch korrekten“ Sprachgebrauch ad absurdum geführt, tac!
    Mein Freund, Kollege und Amtsvorgänger, aus Kamerun gebürtig, meinte dazu immer: hab ich keine anderen Sorgen? Und ich muß hinzufügen: die Rassisten – die benutzen genau den „angesagten“ Jargon, die erkennt man an ganz anderen Sachen. Der geradeste von allen (dem Anschein nach) ist oft das mieseste Schlitzohr weit und breit.

  10. @ente: der schwarze Mann war bei mir der Rauchfangkehrer. ganz eindeutig.
    und schwarzer Peter hab ich auch gespielt. gibts irgend einen bekannten ÖVPler der Peter heißt? Peter Michaelis ev.
    Ich weiß auch nicht was ich sagen soll. Ich benenne wenn ich weiß nach Nationalität oder sag nach wie vor Schwarzer. Man sagt ja auch Georgier und Tschetschene oder? Ich finde das Wort Schwarzer neutral. Ich nenne ÖVPler und solche mit dunklen Haaren auch so. Neger gehört eigentlich nicht zu meinem Wortschatz.
    ja, ich habs gesehen. ja, das frag ich mich auch. Den einzigen, den ich näher kenne hab ich eine Ewigkeit nicht gesehen. Vielleicht können wir ja Bulgariana zu dem Thema befragen über Vorurteile gegenüber Leute aus dem Ausland. Für mich gilt was Ellja schon sagte, sprachpolizeiliche Regeln ändern kein Quäntchen am tatsächlich bestehenden Integrationsproblem.
    Respekt bringe ich jeden entgegen der mich auch mit Respekt behandelt und da ist mir sein Ansehen wurscht. Also auch die Hautfarbe. OK, ich gebs zu ich habe sicher Vorurteile, aber das habe ich bei jeden Menschen. Aber es ist erstaunlich, ich kenne paar Fälle wie sich die Herkunft auf das Verhalten von manchen auch an sich netter Menschen total verändert. Es reicht schon, wenn jemand vom Balkan kommt. Eine Freundin von mir sagt, sie ist froh, dass man ihr nicht ansieht das sie aus dem Ausland kommt und hat vor allem auf die Hautfarbe angespielt. und beim Thema Arigona Zogaj meinte sie, wenn das ein Schwarzer mit hängerdem Auge wäre, da gäbe es dieses Theater nicht. Der würde abgeschoben werden eiskalt. Da passt ja ganz gut die „ÖSterreichschlagzeile“ von vor paar Tagen dazu – „Enthüllt: wie die Asylwerber tricksen“. Da sehe ich ein Problem, es wir nur pauschal veraburteilt oder ein Geschäftemacherei (Zogaj-Gschicht. liabs Madl gegen die Bürokratie). Es sind alle böse Verbraucher , bei Aussicht auf ein fettes Geschäft gibts die Ausnahme, wenn der Ausländer gut reinpasst eine gewisse medientauglichkeit oder es sind alle lieb und wenn sie was anstellen, dann ist die Regierung schuld weil sie in die Not getrieben wurde durch die Regierung. Das löst nicht die Sprachschwierigkeiten, oder das die Polizei einen behinderten Burschen in Schubhaft nehmen.
    Ad Werte widerspreche ich dir, was sind die, die andere politische Werte haben wie die Eltern. Werte sind keine Instinktsache. Sondern werden durch Umgebung weitergegeben udn erlernt bzw. später auch umgelernt. Auch Fernsehserien, ich hab vor kurzem darüber gebloggt. http://weltbeobachterin.blog.de/2009/07/09/politik-kinderserien-6481539/ (kleine Werbung für mich)
    @michaela: ICh denke schon, dass man das Wort Jude sagen und schreiben darf. Immerhin kann man durch Umschreibungen seinen Hass transportieren. Haider sprach z.B. von denen an der Ostküste. und viele wussten, das er damit Juden meinte.

  11. ludi

    *lach*

    „I will mohr“ hab ich erst mal englisch gelesen und da dachte ich du meinst „I want more“ *hehe*

    also oide find ich auch grausam, als ich das das letzte mal hörte, da bin ich schier explodiert!
    diese komischen bayern reden ja auch so daaaamisch daher …

    liebe grüsse
    aus der ferne
    ludi

  12. Das wird immer schlimmer, mit der Political Correctness. Und mal ehrlich, die neuen oder verbotenen alten Namen ändern nicht den Umgang mit einer Person!
    Neulich hab ich mal wieder gedankenlos vor mich hingeplappert und gesagt „Man bräuchte einen kleinen Neger der nachher die Küche saubermacht“. Bin selber gleich erschrocken! Nicht weil ich das Neger abwertend meine, sondern weil wenn das jemand hört derjenige weiß Gott was denkt.
    Und es ist ja egal um welche Gruppe es geht, man ist heute den Worten gegenüber überempfindlich, aber den Menschen gegenüber weiterhin gleichgültig. Und jetzt hoff ich bloß das kommt so rüber wie ich das meine und geh selber meine Küche aufräumen.

  13. für mi bitte a nackerts karotteneis..

  14. @michaela: Das Interview habe ich auch gelesen und seit der Ausgabe ärgere ich mich über die Saure Gurken Zeit im profil. Um die Sommerzeit will ich immer mein Abo kündigen, weil da fast nix drinnen steht.
    Mit T. Spira war das meiner Erinnerung nach so. Sie ist selbst nicht praktizierende Jüdin und fragte ihr gegenüber in einem Interview, ob in seinen Adern jüdisches Blut fließt. So wie ich jemanden in Salzburg fragen würde, ob er Wiener ist. Und da hätte sich ein Zuschauer aufgeregt, wie sie das formuliert hat. Daher finde ich ihre Antwort vollkommen gerechtfertigt. Genau so, wie sich vermutlich Schwarze auf die Schenkel klopfen, wenn sie die österreichische Mohrengeschichte lesen.
    Im letzten profil hat Nikowitz gemeint, er könne wegen der Sache speiben. Meinem Verständnis nach, will er alle diese Ausdrücke bereinigt wissen.
    Schade, in Wien sagt man nämlich wenn man kein Geld hat, man wäre „neger“ oder „stier“. Tja …

    @Wolfram: Du bist Piefke und ich bin Schluchtenscheißer. Ausgleichende Gerechtigkeit.

    @weltbeobachterin: haider und ostküste – meinte er damit nicht die in NY angesiedelten Juden? War mir auch nie ganz klar, was er meinte. jetzt ist es mittlerweile auch schon wurscht und gut ist es!

    @ludi: was treibt dich auf den roten teppich meines blogs?😉
    die komischen bayern versteh ich einwandfrei. du vielleicht nicht?😀

    @George: :-)) Entschuldige, dass ich lache. Ich find das lustig und so soll es auch sein. Aber wehe, es spricht jemand abwertend über die Wiener. Deeeeer kann sich aber was anhören. Ich werde sofort einen Dachverband der verpönten Wiener gründen.

    @Lreporter: Des passert zu einer Beamtenforelle.

  15. @ente

    Mei, die Weana Sööl ist aber auch empfindsam…😉

  16. @George: Harte Schale, sehr weicher Kern.😉

  17. Hierzuland bin ich „le boche“, manchmal… manchmal auch „le sale boche“. Aber das sagen sie nur, wenn ichs nicht höre. Dafür sag ICH es, dann und wann…

  18. In Anlehnung auf die Antwort von Ellja:
    https://entegutallesgut.wordpress.com/2009/07/27/austroafrikanische-eissorte/#comment-2942

    Ich kann mich noch daran erinnern und hab’s geliebt das Negerbrot.

    Hab ihm auch einen blogeintrag gewidmet:
    http://www.geri.at/index.php?/archives/77-Negerbrot-Schokotraum-Erdnuss.html

    In diesem Sinne…
    Geri

  19. @Geri: Negerbrot wollt ich nie, daher kann ich gar nicht sagen, ob es noch irgendwo eines gibt. Schau mal beim Zuckerlgeschäft Ecke Alser Straße Laudongasse, ob es dort noch Negerbrot gibt.
    Sehr tolle Bilder auf deinem Blog!

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