Monatsarchiv: Oktober 2009

Knochenmann

Gestern im Patschenkino gesehen und für genial empfunden!
In letzter Zeit habe ich richtig Glück mit den Filmen, die ich mir ansehe. Ich werde nämlich sehr ungehalten, wenn ich mir flache, langweilige Filme ansehen muss.

Der Knochenmann hat Spaß gemacht!
Super Kameraführung – Hinaus aus Wien nach (n)irgendwo. Beim Löschenkohl, vermutlich einziges Gasthaus der Umgebung. Die Bilder vermitteln Spießigkeit pur. Das Grenzgebiet verleitet zur Prostitution und ein alternder Wirt verfällt dieser Versuchung.

Super Sprachwitz – wir sprechen österreichisch! Bis auf den Wirt, Darsteller Josef Bierbichler, wo das Bayrische nicht in die Gegend gehört, die Rolle ihm aber maßgeschneidert auf den Leib passt.

Schwarzer Humor pur! Und zwar gerade dort, wo es recht grauslich zugeht. Da halte ich mir gerne die Augen zu. Und dann hört man zu einer Szene, die man gar nicht sehen mag, den kaltschnäuzigen Witz dazu. Da wird ein im Handschuhfach gelagerter, abgetrennter Finger aus einem Mini Cabrio geworfen, weil Brenner (Josef Hader) sich für einen Finger entscheiden muss. Den eigenen oder den fremden aus dem Gulli gefischten. Vorher hat man noch überlegt, den Finger im Schrebergarten bei den fünf toten Katzen einer guten Freundin zu beerdigen. Zu viel Aufwand, weg damit!
Der Finger – Brenner’s eigener – hätte eigentlich in Mistelbach (Krankenhaus) angenäht werden müssen. Da aber dort nur Fleischhacker (ugs. für brutale Chirurgen, der Finger wurde von einem Fleischhacker abgetrennt) arbeiten, fährt man im Winter, im Mini mit kaputtem, offenen Verdeck ins vertrauenswürdige Unfallkrankenhaus Meidling und verpasst auf der Tangente die richtige Abfahrt.

Sehr herbe Gefühlswelt. Da spielt schon Liebe mit, aber keinesfalls romantisch und unsagbar witzig! Ich sag nur Horvath, der Künstler mit dem Leasingfahrzeug, weswegen die Wiener die heilige Ruhe im Löschenkohl störten. Man mag Wiener außerhalb Wiens nämlich nicht, kann aber super mit dieser Hassliebe spielen (Originaltrailer!!).

Warum es auf der Homepage ein Backhendlrezept gibt? Weil die Schwiegertochter tagein tagaus mit einem großen Fleischmesser, Hendl zerteilt und lieblos daraus die besten Backhendln (mit Haut bäääh) der Gegend macht. Der oben erwähnte Finger vom Brenner hat sich übrigens in der Panierlade gefunden.

Warum Knochenmann? Weil der Wirt die Knochen, alle Knochen!, zu Knochenmehl verarbeitet und in die Hendlfarm bringt -> ökologischer Kreislauf. Das macht er vornehmlich in der Nacht. Die Vibrationen der Maschine ziehen sich bis in den letzten Winkel jedes Gästezimmers und verursachen dadurch Schlaflosigkeit bei den Gästen.

Der Wirt kocht aber auch gutes Gulasch für das Faschingsfest. Brenner meint, das Fleisch ist so zart, seines wird immer so „zach“. Das erinnert dann ein wenig an Rocky Horror Picture Show und Eddie. Ein Gulasch so wie hier, da weiß der Koch auch nicht, welches Fleisch er aus dem Tiefkühler nimmt. 😀

Was ich vergessen habe: Es verschwinden und sterben Leute, die dann doch leben, aber die Geschichte in Gang bringen, weil man die Mitwisser aus dem Weg schafffen will. Und was dabei gut ist, die die wirklich sterben sind alles sehr, sehr böse Menschen. 🙂 Eine saubere Geschichte!

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Eingeordnet unter Ent(e)deckt

Aufgeschnappt

Aufgeschnappt, angesprochen oder ungewollt/gewollt mitgehört:

  • Schöne Frauen sind unsichtbar. Wir sind derart von ihrem Äußeren geblendet, dass wir ihre innere Schönheit nicht sehen können. Elegy Wahnsinnsfilm mit Ben Kingsley und der Cruz.
    Passt irgendwie dazu.
  • Alt werden ist nichts für Weicheier. ebendort
  • Morgen gehe ich zum Zahnarzt.

    Ich habe endlich einen schwulen Zahnarzt gefunden. Zuckerboy im Jeansgeschäft

  • Wollen Sie Handlesen? „Zigeunerin“ vor der Ringstraßen Galerie mit Eiskonfekt in den Händen
  • Haben Sie ein Problem? Frage an mich, über eine Sache, wo ich wirklich KEIN Problem habe.
  • Können Sie mich bitte von der Gatschwelle befreien? Friseur schaut mir mit kreisrunden Augen ins Gesicht: Wollen Sie eine Dauerglättung?
  • Guter Tag! Heute wurde mir in der Straßenbahn kein Sitzplatz angeboten.

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Eingeordnet unter befindlichkeiten, stadtgeschichten

Kernöl-Schmölzi

Als Kind hat mir kaum etwas geschmeckt. Meine Mutter war verzweifelt.
Was aber immer von mir verputzt wurde, war ein Eierspeisbrot.

Heute eine steirische Enten-Variante:

1 kl Happel Zwiebel, fein würfelig geschnitten
3 Eier, leicht verquirlt
Butterschmalz
Kernöl
frisch gemahlener Pfeffer, Fleur de Sel
1 Scheibe dunkles Bauernbrot

schmölzi-071
Kritisches Publikum, das das fehlende Fleisch in diesem Gericht vermisst! Daher nur bedingtes Interesse am Geschehen.

Butterschmalz in einer Pfanne schmelzen, die Zwiebel glasig dünsten.
Dann zur Seite schieben und das Brot von beiden Seiten kurz anrösten.
In der Zwischenzeit die Eier mit einer Gabel ein wenig verschlagen.
Das Brot auf den Teller legen und warm halten.
Zwiebel in der Pfanne verteilen, Eier darüberleeren und ein wenig stocken lassen.

schmölzi-074
Dann das Kürbiskernöl darauf verteilen. Ich mache das absichtlich nachdem die Eier in der Pfanne sind, da das Öl hitzeempfindlich ist. Warum die Eierspeis bei uns nicht Rührei heißt?
Weil die Eier vom Pfannenrand ein wenig zusammengeschoben werden, damit das noch flüssige Ei wieder in die Pfanne rinnt. Stocken lassen. Frischen Pfeffer darübermahlen, Fleur de Sel und wer hat (ich nicht), ein paar Schnittlauchröllchen.

schmölzi-078
Das Schmölzi ist fertig, wenn die Eierspeis noch ein wenig schwabbelt und nicht ausdürrt ist. Als Leporello (im Zickzack) gefaltet aus der Pfanne auf das Brot gleiten lassen.

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Eingeordnet unter küchenente

dignity und die Befreiung vom Korsett

Spam mails dienen manchmal als Sprachkurs.
So ist mir „dignity“ nicht so geläufig. Und hätte ich das Wort im Zusammenhang verstanden, wäre ich auch nicht rot geworden.
Würde, heißt das Wort auf Deutsch. Aber auch Erhabenheit.
Im Betreff steht an mich: Enlarge your male dignity.

Als Spätzünder habe ich mir gestern den Film über Coco Chanel angesehen. Dass sie für mich eine interessante Frau ist, stand nie außer Zweifel. Im Film sieht man noch besser, wie sehr sie die Mode revolutioniert hat, sich nicht anpasste und ihren Weg gegangen ist. Sowohl in Sachen Design, als auch in der Liebe.

Es fiel während des Films ein Satz, der mich nicht loslässt:

Frauen, die zu sehr lieben, werden unterwürfig wie Hunde.

Sehr interessanter Aspekt, den man in gewisser Weise im Hinterstübchen mit sich trägt. Wenn das dann aber ausgesprochen wird, beginnt man erst darüber nachzudenken. Rollt eigene Erfahrungen auf und prüft die Aussage auf deren Richtigkeit und Wertigkeit.

Und dann habe ich in der Früh die Würde im Maileingang.

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Eingeordnet unter Die Welt

Heute unrund ~

Ein Blogeintrag, der nach Twitter riecht.

Wo kann man Enten bittschön wuchten lassen?

… und dann noch ein Satz im Rotweinglas … ~heute ist die Ente unrund wie ein Albatros oder ein dodo~ dodowalking

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Eingeordnet unter Nicht kategorisiert

Linz09

Die Ente war ja mit der Bahn in Linz, wie sie hier berichtete, um die Kulturhauptstadt zu besichtigen.

Früher einmal gab es einen running gag: „Warum nur reimt sich Linz auf Provinz“. Und tatsächlich: Linz war ein graues Mäuschen. Nicht nur von der Luft her, sondern auch von der ganzen Gegend, die irgendwie schmierig wirkte.

Jetzt hat Linz als Kulturhauptstadt gezeigt, das ist ganz anders. Mittlerweile tuschelt man noch hinter vorgehaltener Hand, Linz wäre ein Geheimtipp. Wie lange noch?
Die temporären Bauten werden sukzessive abgebaut und bekommen teilweise eine neue Bestimmung. Schade eigentlich, denn es war sehr schön die Stadt auch von einer anderen Perspektive zu sehen. Nur, blieben die Bauten, dann wäre der Blick auf die Stadt wieder normal.

Remineszenz:

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Die Dialektstraßenbahn habe ich genial gefunden. Wäre auch etwas für Wien!

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Dass Rilke in Linz eine zeitlang verweilte, war mir neu. Und die schöne „Blaue Donau“, mit einem Anflug von Blau.

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Was da in dem schönen Haus untergebracht ist, weiß ich jetzt nicht mehr. Bücherei? Es ist der powertower!

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Höhenrausch! Super Idee, die Stadt aus einem anderen Blickwinkel betrachten zu können.

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Das Linzer Riesenrad gibt es noch bis Ende Oktober, dann wird es abgebaut.

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Klangregen! Hier steht man Schlange, damit man bei Sonnenschein im Regen steht und Musik hört, die über die Wassertropfen übertragen werden.

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Ahoi Herbert hat mich nicht so vom Hocker gerissen, dafür die Architektur des Lentos Museums. Die Ente hat ein Entengeschenk von weltbeobachterin bekommen. Danke!

Ellja gibt für Linz folgende Tipps:

Meine Tipps für Deinen nächsten Linz-Besuch, was futtern und so anbelangt: NIU (kennst eh schon), Bombay Palace (kennst vielleicht auch schon), Lentos-Cafe (draußen wie drinnen, Frühstücken traumhaft), Cafe Meier (auch immer noch bewährt, Ingwer-Heißgetränk super Tipp), Gelbes Krokodil (Klassiker mit guter Küche, gleich beim OK-Platz, Moviemento-Kino)

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Eingeordnet unter ente on tour

Heheee

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