Knochenmann

Gestern im Patschenkino gesehen und für genial empfunden!
In letzter Zeit habe ich richtig Glück mit den Filmen, die ich mir ansehe. Ich werde nämlich sehr ungehalten, wenn ich mir flache, langweilige Filme ansehen muss.

Der Knochenmann hat Spaß gemacht!
Super Kameraführung – Hinaus aus Wien nach (n)irgendwo. Beim Löschenkohl, vermutlich einziges Gasthaus der Umgebung. Die Bilder vermitteln Spießigkeit pur. Das Grenzgebiet verleitet zur Prostitution und ein alternder Wirt verfällt dieser Versuchung.

Super Sprachwitz – wir sprechen österreichisch! Bis auf den Wirt, Darsteller Josef Bierbichler, wo das Bayrische nicht in die Gegend gehört, die Rolle ihm aber maßgeschneidert auf den Leib passt.

Schwarzer Humor pur! Und zwar gerade dort, wo es recht grauslich zugeht. Da halte ich mir gerne die Augen zu. Und dann hört man zu einer Szene, die man gar nicht sehen mag, den kaltschnäuzigen Witz dazu. Da wird ein im Handschuhfach gelagerter, abgetrennter Finger aus einem Mini Cabrio geworfen, weil Brenner (Josef Hader) sich für einen Finger entscheiden muss. Den eigenen oder den fremden aus dem Gulli gefischten. Vorher hat man noch überlegt, den Finger im Schrebergarten bei den fünf toten Katzen einer guten Freundin zu beerdigen. Zu viel Aufwand, weg damit!
Der Finger – Brenner’s eigener – hätte eigentlich in Mistelbach (Krankenhaus) angenäht werden müssen. Da aber dort nur Fleischhacker (ugs. für brutale Chirurgen, der Finger wurde von einem Fleischhacker abgetrennt) arbeiten, fährt man im Winter, im Mini mit kaputtem, offenen Verdeck ins vertrauenswürdige Unfallkrankenhaus Meidling und verpasst auf der Tangente die richtige Abfahrt.

Sehr herbe Gefühlswelt. Da spielt schon Liebe mit, aber keinesfalls romantisch und unsagbar witzig! Ich sag nur Horvath, der Künstler mit dem Leasingfahrzeug, weswegen die Wiener die heilige Ruhe im Löschenkohl störten. Man mag Wiener außerhalb Wiens nämlich nicht, kann aber super mit dieser Hassliebe spielen (Originaltrailer!!).

Warum es auf der Homepage ein Backhendlrezept gibt? Weil die Schwiegertochter tagein tagaus mit einem großen Fleischmesser, Hendl zerteilt und lieblos daraus die besten Backhendln (mit Haut bäääh) der Gegend macht. Der oben erwähnte Finger vom Brenner hat sich übrigens in der Panierlade gefunden.

Warum Knochenmann? Weil der Wirt die Knochen, alle Knochen!, zu Knochenmehl verarbeitet und in die Hendlfarm bringt -> ökologischer Kreislauf. Das macht er vornehmlich in der Nacht. Die Vibrationen der Maschine ziehen sich bis in den letzten Winkel jedes Gästezimmers und verursachen dadurch Schlaflosigkeit bei den Gästen.

Der Wirt kocht aber auch gutes Gulasch für das Faschingsfest. Brenner meint, das Fleisch ist so zart, seines wird immer so „zach“. Das erinnert dann ein wenig an Rocky Horror Picture Show und Eddie. Ein Gulasch so wie hier, da weiß der Koch auch nicht, welches Fleisch er aus dem Tiefkühler nimmt.😀

Was ich vergessen habe: Es verschwinden und sterben Leute, die dann doch leben, aber die Geschichte in Gang bringen, weil man die Mitwisser aus dem Weg schafffen will. Und was dabei gut ist, die die wirklich sterben sind alles sehr, sehr böse Menschen.🙂 Eine saubere Geschichte!

31 Kommentare

Eingeordnet unter Ent(e)deckt

31 Antworten zu “Knochenmann

  1. ja, der war schon richtig gut! Die Minichmayer auch, aber den ganzen Hype um die versteh ich trotzdem nicht so ganz.

  2. Michaela

    Im Kurier stand heute folgende Geschichte: Angeblich hat sich ein 4-jähriges Kind beim Spielen mit einer defekten Waschmaschinentrommel einen Arm abgetrennt. Der große Bruder hat den Kleinen ins Bett gepackt. Am nächsten Morgen hat die Mutter das Maleur entdeckt und ist mit dem Kind ins Spital gerast. Der Arm war nicht mehr anzunähen, das Kind lebt. G’schichtl, Halloweenstory oder Kronen Zeitung Niveau?

    Hast du das Buch vom Knochenmann auch gelesen? Was ist besser: Buch oder Film?

  3. @Ellja: Die Hypes der verschiedenen Schauspieler verfolge ich nicht mit. Lehne ich ab. Ich habe nur ein Interview von ihr gehört, wo sie als Österreicherin derartig piefkinesert, dass es mir richtig schlecht dabei geworden ist. Diese österreichische Anbiederung an den deutschen Markt lehne ich derartig ab und verursacht in mir eine unangenehme Starrköpfigkeit.
    Ich sehe den Knochenmann als Gesamtkunstwerk. Die M. ist für mich nicht sonderlich dabei herausgestochen. Ich weiß allerdings nicht, wie sie im „Weißen Band“ ist. Vielleicht hat dieser Film den Hype ausgelöst?

  4. @Michaela: Nein, aber das habe ich mir vorgenommen, das Buch zu lesen. Mal schauen. Der Film hat aber so einen schönen hintergründigen, selbstzerstörenden Witz, den muss man gesehen haben.
    Kurierartikel? Kann ich mir nicht vorstellen. Erstens wie man sich einer Waschmaschinentrommel verletzen kann und zweitens wie man mit einem ?abgetrennten? Arm die Nacht überlebt. Schaut die Mutter nicht nach ihrem schlafenden Kind?
    Humbug! Das ist so ähnlich wie der kürzlich entdeckte Kometeneinschlag. Liest sich mehr nach „Heute“ als nach Kurier. Google sagt, das ist in Ulm passiert.

  5. ist ja lustig, den sehe ich mir heute auf DVD an, liegt schon im Wohnzimmer bereit!
    Zufälle gibts…tsssss…..

  6. @Arthurs Tochter: Ich kann mir vorstellen, er wird dir gefallen!

  7. Die Haut ist doch mit das Leckerste am ganzen Huhn!

  8. @Wolfram: Am BACKhendl ist sie grauslich, Grillhuhn ist etwas anderes. Die Haut unter einem Backhuhn quillt so auf, bekommt einen gelblichen Stich und wääääh, ich mag gar nicht weiterschreiben.

  9. bierbichler & brenner, zwa zwetschgn vom söwn bam – gehören zu den leiwaundstn mitteleuropaverbesserern des alpenfilms.. #kaumasosoagn

  10. @Lreporter: Ich mag deinen Zwetschkensatz.😉
    Wolf Haas hat das Buch geschrieben. Der Stamm vom Bam.

  11. Dank des Originaltrailers weiss ich endlich, wie man ein Hendl in exakt zwei Teile teilt. Ein Gruselfilm, danach könnt ich nicht mehr schlafen.

  12. Den Roman habe ich damals mit Begeisterung gelesen. Die Verfilmung kenne ich leider (noch) nicht.

  13. @lamiacucina: Das habe ich auch bewundert, wie das Hendl in zwei Teile geteilt werden kann.😀
    Ist zwar ein bissl grauslich, aber zwischendurch so lustig, da vergisst man die unapetitlichen Szenen gleich wieder.

    @Rupi: Du hast das Buch gelesen? Super, dann werde ich mir das auch besorgen! Den Film MUSST du dir ansehen!🙂
    Es gibt, so habe ich gesehen insgesamt 7 Brenner-Krimis. „Der Brenner und der liebe Gott“ ist sein letzter. Kennst du diese Ausgabe auch?

  14. Lilly, ich habe alles von Wolf Haas gelesen und war vom ersten Buch (etwa vor neun, zehn Jahren) an Fan seines knasterschwarztrockenen Humors und seines lakonischen Stils. Gibt es denn tatsächlich Wiener, die „ihren“ Haas nicht kennen???

  15. @Rupi: Ich habe schon gehört von ihm, muss aber zugeben nie ein Buch gekauft zu haben. Ich eile morgen Rupi, ich eile!
    Schau mal hier und hier vom lustigen Buchwurm, den ich auch in meiner Blogroll habe.

  16. Den Film kenn ich noch nicht, hab kaum Zeit zum fernsehen. aber das Buch ist göttlich. wie Komm süßer Tod und Silentium das Triumvirat des skurillen Humors ala Wolf haas

  17. „Auferstehung der Toten“ ist der erste Haas-Roman. Damit habe ich anno tobak begonnen. Danach kommt „Der Knochenmann“. Ist aber nicht notwendig, die Bücher in Reihe zu lesen, jedes ist in sich abgeschlossen – nur die Brenner-Figur bleibt.

  18. @weltbeobachterin: Der Knochenmann war noch nicht im Fernsehen. Ich habe mir die DVD angesehen.

    @Rupi: Ich habe mir also gestern „Der Brenner und der liebe Gott“ gekauft.
    Berichten werde ich nicht darüber, denn: Nachdem ich bei der Recherche von und über Haas auf ein Interview gestoßen bin, worin er erklärte, er fände nichts Schlimmeres, als im web Rezensionen über seine Bücher zu lesen. Hat auch etwas über die Anonymität des Webs geschwafelt, dass ihm das komisch vorkommt:-D Dann lass ich es lieber. Man will ja seine Bücher und Inhalte nicht absichtlich kaputt machen.😉
    Es scheint, der Brenner hat einige autobiographische Züge von Haas. Das zeigt sich an der teilweise spätpubertären Trotzigkeit, die beide Personen immer wieder haben.😉
    Mir gefällt er trotzdem!

  19. @weltbeobachterin, videbitis, George & Rupi: Bei eurem Blogbetreiber kann man als Besucher keine Kommentare mehr posten. „Ungültige Emailadresse“ heißt es da.

  20. hab den Film gestern übrigens mit meinen Eltern gesehen. Grandios sag ich nur – und wirklich österreichisch – da lacht mein Herz.
    so vom Schmäh her und von den Redewendungen und oft sehr authentisch – exklusiv des Mordes.
    eine meiner Lieblingsszenen ist die als die Bauern einfach den Typen stehen lassen mit den Worten – „I moa des is a Russ“. oder die Faschingsverlosung
    Nach Ende des Films hab ich dann meine Eltern gefragt, obs Fleisch für morgen eh schon aus der Gefriertruhe ist zum auftauen. War nicht ganz passend…
    hab heute trotzdem ein hervoragendes Geschnetzeltes gemacht. hmm…
    Kennst du „komm süßer Tod“ und „Silentium“ schon als Film. Beide gut, aber der Knochenmann war bis jetzt der absolut grauslichste – Ich find Bücher und Filme immer äußerst gelungen.
    hier die Trailers http://www.youtube.com/watch?v=a4gnXBSBojk ; http://www.youtube.com/watch?v=rieJem0OoiE

  21. Den FIlm hab ich mir besorgt, den schauen ich und BH und die nächsten Tage mal an!

  22. @weltbeobachterin: Da gibt es derartig viel versteckten Witz, da kannst den Film noch mehrmals anschauen.
    Die anderen Filme kenn ich nicht.😦
    Les jetzt gerade sein neues Buch.🙂

    @George: Vor Freude hupf! Sag dann, wie er dir gefallen hat.
    Ich würde sagen, ihr esst vorher ein Gulasch. Oder nachher.🙂

  23. Videbitis

    Filmtipp ist notiert.
    Bei den Büchern brauchte ich etwas, der Stil ist doch recht eigenwillig. Aber wenn man sich dran gewöhnt hat, sind sie auch klasse.

  24. Videbitis

    Ach so – weiß der Geier, was da wieder los ist beim Blogbetreiber. Gib einfach abcde@gmx.de ein, dann funktioniert’s.

  25. @videbitis:
    Erster Eindruck beim Lesen: Die halbfertigen Sätze des letzten Brenner-Krimis machen mich ein wenig krank. Schwierig zu lesen! Wirklich sehr eigenwilliger Stil. Aber dieser Stil lässt Bilder im Kopf aufkommen.

    Blogbetreiber reagiert auch nicht auf Anfrage von außen.😦

  26. Der „Knochenmann“-Film war genial, auch für mich Piefke😉. „Komm süßer Tod“ ist fast genauso gut. Den hab ich damals in Holland mit einem Österreicher und einem Saal voller Holländer gesehen, mit niederländischen Untertiteln. Um die ich auch froh war, da ich sonst einiges vom Dialekt nicht verstanden hätte😉.

  27. @medienjunkie: Komm süßer Tod mit niederländischen Untertiteln ist auch irgendwie geil.
    Normal hört bei den Deutschen das Sprachverständnis österr. Idiome bei der Weißwurstgrenze auf. Man wird dann sehr ungehalten, wenn der Österreicher eine Sprache spricht, die der „Piefke“ nicht versteht und macht sich dann über Nebensächlichkeiten (Singen der Sprache, langgezogene Vokale) lustig, die man von der Akustik mitbekommt.
    Ich begrüße deine positive Beurteilung daher umso mehr (obwohl ich nicht recherchiert habe, ob du vom Norden oder vom Süden kommst).

  28. Angeschaut und für gut befunden! Eigentlich hätte ich es besser gefunden wenn der Sohn dran glauben hätte müssen, der war so ein Unsympath… und Gulasch hatten wir auch keins dazu, gottseidank *örks*
    Fred hat den Horvath gleich erkannt und gesagt „Des is a Umbaute!“🙂

  29. zu 27: natürlich aus dem Norden😉. Wirkliche Verständnisprobleme hatte ich, als ich das erste Mal versucht habe, „Indien“ zu gucken. Da gibt es in der „bundesdeutschen“ Fassung aber teilweise lustige Untertitel, z.B. „übliche Sprüche beim Kartenspielen“.

  30. Pingback: Mistelbacher, blede Pleampln de! « Entegutallesgut

  31. Auf Einladung der Direktion dieses feinen Blogs ins Patschenkino habe ich inzwischen den Film gesehen und mich sehr amüsiert. Verfilmungen literarischer Vorlagen sind immer problembehaftet, weil das innere Auge des Zuschauers (Kenntnis des Buches vorausgesetzt) stets messen und vergleichen wird.

    In diesem (seltenen) Fall fällt der Vergleich positiv aus: nicht nur, weil der bemerkenswerte Film mit einem Großzitat aus dem Buch von Haas beginnt … vor allem, weil die Figuren Brenners und des Löschenkohl-Wirtes in ihrer jeweiligen Eigenart saustark transportiert werden.

    Der Film betont stärker als das Buch die dumpfe Brutalität, die von diesem unheimlichen Hendl-König ausgeht. Er vernachlässigt hingegen die Skurilität mancher Szenen und Figuren. Das wäre vermutlich für das breite Kinopublikum too much Austria. Wer es also weniger blutig, dafür wesentlich schwärzer mag, dem sei unbedingt zur Lektüre des „Knochenmann“ geraten. Jedoch ist der unverwechselbar lakonische Haas-Stil gewöhnungsbedürftig. Wer das aber einmal lecker geschmeckt hat, der wird schnell süchtig nach mehr!

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