Christkind und warum ich nicht in den Himmel will

60 Jahre gibt es das Postamt Christkindl bereits und hat natürlich jetzt wieder Hochsaison.
Das Postamt wurde im gleihnamigen Ort in Oberösterreich gegründet und versieht die Weihnachtspost von Ende November bis Anfang Jänner mit einem besonderen Stempel.

Interessant, dass das Postamt nach wie vor interessant ist, denn die gesellschaftliche Entwicklung spricht nicht dafür:

– Es sammelt kaum jemand Briefmarken. Vorbei die Zeiten, als man zappeligen Kindern das Briefmarkensammeln schmackhaft machte. Die Auflagen der Briefmarken sind trotz Postkrise noch immer zu hoch und werden daher nicht als Raritäten gehandelt.

– Wer sich heutzutage outet, ein gläubiger Mensch zu sein, wird in die Ecke der Fundamentalisten geschoben. In ist, wer sich den Trend der Säkularisierung ans Hemd heftet und nimmermüde über die Entfernung von Kruzifixen diskutiert.

– Die Fundis schaffen Weihnachten im eigenen Heim ab. Das braucht keiner, meinen sie, bleiben bei christlichen Feiertagen aber zu Hause und arbeiten doch lieber nicht.

Das Postamt Christkindl hat allen Trends zum Trotz um diese Zeit Hochbetrieb. Die Kinder sind sehr selbstbewusst: Sie greifen zum Handy und wollen das Christkind sprechen. Die Mitarbeiter haben sich auch schon eine Antwort zurecht gelegt: „Das Christkind sitzt im Keller und stempelt Briefe und hat leider keine Zeit.“

Wer überlegt sich da noch ein Engel sein zu wollen?

Wer sitzt schon gerne im Keller und lacht dort vielleicht auch noch?

Darf man in der Hölle schalmeien?

Quelle: Ö3 Interview

Die sehr nüchterne Seite vom Postamt Christkindl in ansprechendem Postgelb.
Ich verschicke Weihnachtspost noch immer per Brief + Weihnachtsbriefmarke, die dieses Jahr wieder sehr schön ist.
Die Deutschen sind ja die Könige der Vereine und somit gibt es auch einen Schalmeienverein im Schottenhoserl.

8 Kommentare

Eingeordnet unter Die Welt

8 Antworten zu “Christkind und warum ich nicht in den Himmel will

  1. Ich lach, aber sicher nicht im Keller, weil da kein Handy-Empfang ist😉 Armes Christkind, das sollte man eigentlich wissen🙂

  2. @George: Dass man sich nicht in den Keller verbannen lassen soll, wenn man so eine schillernde Persönlichkeit ist. Ich glaub das Christkind braucht ein bissl Personality-PR!🙂

  3. Das arme Christkindl! Ich habs ja bei uns zuhause immer ganz knapp verpasst. Ständig haben meine Eltern mir davon berichtet. „Ach, Tochter, gerad ist es zum Fenster hinaus, siehst noch ein Stück Stoff vom Kleid hinaushuschen?“ Da bin ich vor Hektik über Tisch und Bank gestopert um ans Fenster zu hetzen. Einmal hab ich noch ein Stück Haar am Fensterrahmen gefunden. So gold und weich, ich war ganz glücklich! Irgendwann wurde aus religiös motivierten Gründen das Christkind zum Weihnachtsmann, mit dem sind dann meine Geschwister groß geworden. Die Armen! Der hatte den Sack, den Knecht mit Knüppel und war grundsätzlich eher ein grimmiger Gesell, ständig diese Drohungen… „Wenn Du nicht…dann kommt er nicht…“

  4. @lilly – wenn schon nicht in den himmel, dann ja vielleicht nach unterhimmel? der steyrer stadtteil mit wunderbar günstiger christkindl- & badeanbindung.

    als bub hab ich nur ein einziges mal wirklich an das christkind geglaubt. ich war 8 und es war der 24. und für einen abend strahlte das zuhause in vielen farben. an diesem tag hat der entzückte resonanzkörper für meine seele ein licht in mir entzündet und ich bilde mir ein, dass mein inneres kind seitdem nach soetwas wie erleuchtung sucht, nach dem himmel auf erden – mit kirchen und anderen tendenzen hat das nichts zu tun

  5. Videbitis

    Das Christkind spielte bei uns im protestantischen Norden keine Rolle, da gab es nur den Weihnachtsmann, und als ich erfuhr, das der nun doch nicht die Geschenke bringt, war mein Vetrauen in die Aussagen meiner Eltern allgemein erschüttert. Vom Christkind las man nur in Märchen, ich fand das aber schon immer befremdlich, daß ein kleines und leichtbekleidetes Kind zu dieser kalten Jahreszeit, in der man normalerweise keinen Hund vor dir Tür jagt, von Haus zu Haus ziehen sollte, um da Geschenke zu deponieren. Die spinnen, die Katholen – habe ich so wortwörtlich natürlich nicht gedacht, aber dem Sinn nach.

  6. @A.Tochter: Der Weihnachtsmann war bei euch zu Hause böse?
    Das war bei mir nur der Krampus.

    @lreporter: Als ich deine Geschichte gelesen habe und du von dem zu Hause in vielen strahlenden Farben berichtetest, dachte ich mir, ach du liebe Sch…, bei denen ist der Christbaum abgebrannt.
    Ich hab lange ans Christkind geglaubt und glauben wollen. Weiß nicht, ob mir jetzt was von der inneren Erleuchtung fehlt.

    @videbitis: Und der Weihnachtsmann ist dir nie komisch vorgekommen?
    Und wie war das bei Hans Christian Andersen, dem Mädchen mit den Streichhölzern. Die war ja auch halbnackt.

  7. Dem Weihnachtsmann bin ich erst später auf die Schliche gekommen, denn der war wintertechnisch gesehen wenigsten kein Widerspruch in sich, sondern ein wohlgenährter Dickwanst mit Schal und Mütze. Das Mädchen mit den Streichhölzern ist erfroren, trotz der Wärmequelle – warum dann nicht auch das Christkind? Die Geschichte hinkt doch hinten und vorn – als Lektor würde ich sie zurückgehen lassen mit der Aufforderung, sie noch einmal logisch zu überarbeiten.😉

    Einen schönen 1. Advent wünsche ich Dir.

  8. @videbitis: Danke, dir auch einen schönen Advent!
    Das Christkind hatte immer rote Backerln und saß die meiste Zeit in der Backstube mit den Engerln. Und wie kommt der Dickwanst durch den Rauchfang, füllt dort die Socken und klettert blitzsauber wieder heraus? Wieso fahren die Rentiere nicht auf Schienen und was passiert wenn sie pinkeln, fallen dann gelbe Eiswürfel vom Himmel?
    Nichts als Fragen!

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