Palais Todesco und Belcanto

Letzte Woche war ich bei einem sehr schönen Adventkonzert. Es war das Konzert der „Carangelo Belcanto Academy“, das nach jedem Meisterkurs stattfindet. In diesem Kurs finden sich nicht nur professionelle Sänger, sondern auch Sänger, die den Gesangsunterricht ohne Blick auf die Karriere machen, Anfänger, Fortgeschrittene und „upcoming voices“. Die Teilnehmer kommen aus aller Herren Länder und werden nach einem Auswahlverfahren in die Meisterklasse aufgenommen. Unterrichtet wird die Kunst des Belcanto-Gesangs, die nur mehr von ganz wenigen Maestros weitergegeben wird. Ich will jetzt nicht weiter ins Detail gehen. Wer sich dafür interessiert, kann mich gerne darauf ansprechen.

Das Konzert hat in einem der schönsten Wiener Palais stattgefunden und das ist eigentlich der Knackpunkt der Geschichte, weil wenige diese Räumlichkeiten kennen. Selbst in meinem DuMont Reiseführer finde ich das Palais nicht. Ok, das Buch stammt noch aus der Zeit, als das Palais öffentlich nicht zugänglich war, aber deswegen kein Wort darüber zu erwähnen ist schlimm. Früher war im Palais Todesco die ÖVP-Zentrale beheimatet und nun gehört das Bauwerk einer der Partei nahestehenden Versicherung. Jetzt kann man die Räumlichkeiten (um viel Geld) anmieten und hat damit Einblick in die feudale Welt des 19. Jhdts in Wien.
Das Haus befindet sich gegenüber des (seitlichen) Bühneneingangs der Wiener Staatsoper und hat die Adresse Kärntnerstraße 51, ist also am Beginn der Shoppingmeile, die Richtung Steffl führt.
Erbaut wurde es für den Baron Todesco von Ludwig Förster und Theophil Hansen (Innenausbau), der sich für viele Prachtbauten entlang der Ringstraße verantwortlich zeichnet.

20 Kommentare

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20 Antworten zu “Palais Todesco und Belcanto

  1. arthurstochter

    Mein erster Gedanke bei Belcanto ist der Gesang der Kastraten. Ein tolles Buch dazu habe ich vor Jahren mal gelesen, von der Königin des Vampirromans, Anne Rice, „Falsetto“. Ich weiß natürlich nicht, ob es mir heute noch gefiele, aber vor ca. 15 Jahren hat es mich unglaublich gefesselt.

    Tolle Bilder hast Du eingestellt! Ich will endlich mal nach Wien (und nicht nur ins Hotel „Orient“)😉

  2. @A.Tochter: Tauschen wir? Ich ins Hotel Orient und du durch Wien.
    Pavarotti tät sich bedanken, wenn du ihn als Kastraten bezeichnest.😀 (Ich kenn ja keine Kastraten, aber ich dachte immer die haben so ein dünnes hohes Stimmerl, weil ihnen eben die Kraft fehlt. Belcanto ist das krasse Gegenteil: Da donnern kräftige Stimmen Arien!)

  3. @all: Ich schau mir die ganze Zeit Aplicke an und weiß nicht, schreibt man die mit zwei „p“, oder mit einem „p“ und ohne „ck“, oder überhaupt mit „b“?
    Das Wort ist ja auch im Aussterben. Verwendet kaum einer mehr und daher weiß ich vermutlich auch nicht genau, wie man es schreibt. Das ist halt meine Lautschrift, die da bei den Bildern steht.

  4. arthurstochter

    Ha! Nix! Von Dir krieg ich keine Kekse, so geb ich Dir nicht mein Bett im „Orient“. Ich sagte ja „nicht nur“😉
    Aber da man die ja stundenweise mieten kann, kommen wir uns sicher nicht ins Gehege😉

    Jetzt habe ich gerade mal bei wiki gestöbert, da schreiben sie u. a. zu Belcanto:
    „Als Hochblüte des verzierten Gesanges (Canto fiorito) gilt die Zeit zwischen dem Ende des 17. Jahrhunderts und dem Anfang des 19. Jahrhunderts. Als Idealtyp des Belcantosängers galten in dieser Zeit die Kastraten (italienisch: Evirati), deren technische und stimmliche Fähigkeiten bis in unsere Tage legendär geblieben sind. Mit dem Verschwinden der Kastraten von den Opernbühnen ging auch eine Entwicklung der Oper einher, in welcher die Improvisationsmöglichkeiten der Sänger immer mehr eingeschränkt wurden und der doch eher manieriert-artifizielle Canto fiorito einem „natürlicheren“ Gesangsstil weichen musste, ohne dass die Anforderungen des Belcanto aufgegeben wurden. Den letzten und zugleich größten Höhepunkt feierte der Belcanto in den Jahren zwischen etwa 1810-1850.“

  5. @A.Tochter: Das Orient hat auch eine wunderschöne Bar und in den Hotelzimmern darfst du auch richtig, klassisch, althergebracht übernachten und somit für eine Nacht mieten.🙂

    Ich kann dir nur sagen, die Solisten der Academy klingen alles andere als Kastraten.😀
    Die Callas war auch eine, die diese Kunst beherrschte.

  6. @all: Zwei „p“ ein „k“.

  7. poe

    also das ist ja ganz schön beeindruckend🙂

  8. AT, wiki hat wieder einmal nur die halbe Wahrheit erzählt. Sory, aber als Opernfan, muss ich da eingreifen! Belcanto beginnt mit den Kastraten, damals wurden alle Rollen nur von Männern gesungen. Später durften auch Frauen Belcanto singen. Es ist eine Singtechnik, die mehr Wert auf Schönheit und Klarheit der Stimme als auf Ausdruck und Kraft legt. Belcanto zeichnet sich vor allem im oberen Register durch eine leichte und fliessende Tongestaltung und Geschmeidigkeit der Stimme aus (das ist jetzt sehr verkürzt).
    Mit Rossini-, Bellini- und Donizetti-Opern begann die Hochzeit des Belcanto, mit dem Verismo und den romantischen Opern wurden mehr dramatische Sänger bevorzugt.
    Grossartige Vertreter des Belcanto: Joan Sutherland und Edita Gruberova,
    Die Callas war für reines Belcanto, dessen Technik sie zwar perfekt beherrschte, zu expressiv, ich mag ihre Interpretationen daher lieber als die eher faden (aber stimmlich klareren) der Sutherland. Caruso, Pavarotti, Juan -Diego Florez sind männliche Vertreter dieses Gesangstils, der eine eigene Ausbildung erfordert.

  9. @Eline: Dass wiki da eher schwachbrüstig mit der Information ist, ist mir auch aufgefallen. Wobei ich mit dir insofern nicht konform gehe, der Gesang würde nicht auf eine kraftvolle Interpretation Wert legen. Ganz im Gegenteil wird die Stimme, der Brustkorb so trainiert, um aus dem vollen Volumen schöpfen zu können. Die Stimmen nehmen den Raum förmlich ein. „Nachteil“ der Belcanto-Schüler: Sie passen einfach nicht in einen Chor, weil die Stimmen einen so ausgeprägten Charakter haben und somit prädestiniert für Soli sind.

  10. Eline

    Aber ein Belcanto-Tenor wird normalerweise nicht als Siegfried fuer die Walkuere gecastet. Dramatische Rollen ruinieren meist die Faehigkeit zum Belcanto. Franz Voelker war eine Ausnahme. Die Belcanto-Opern sind meist auch viel kleiner orchestriert und erfordern daher weniger tragende Stimmen.
    Eine

  11. An das dreifache Ziel der Gesangskunst: dem geistigen Ausdruck, der musikalischen Schönheit und der künstlerischen Individualität, gelangen nur die wenigsten Sänger an. Der Begriff „Belcantist“ wird heute kritiklos jedem Sänger umgehängt wie heute jede Trälleramsel als „Star“ bezeichnet wird. Private Gesangsakademien leben von ihren Schülern. Ich bin überzeugt, dass man mich auch aufnehmen täte.

  12. Vielleicht sollte ich mich dort mal melden – auf jeden Fall werde ich es überlegen … so komme ich dann auch wieder mal nach Wien.

    Jetzt habe zwar alles das Thema genau zerpflückt, aber mit los donnern ist in Belcanto sicher nichts, das möchte ich doch noch einmal sagen – wird dann wohl auch verhindern, dass sie meinen Wagner-gestählten Bariton dort mitwirken lassen😉

  13. Aaalso… ICH schreibe „Applique“! Aber ich schreibe ja auch Portemonnaie und nicht… nää, dann doch lieber Geldbörse (was allerdings auch nur eingedeutscht ist, denn bourse ist ursprünglich ein Säckel und wird auch noch in dem Sinn gebraucht, vulgäranatomisch jedenfalls…)

  14. wieder was gelernt. bei der Überschrift glaubte ich, dass du über 2 Palais schreiben würdest.
    bin gestern übrigens am Palais Todesco vorbeigegangen.
    Aber von innen ist der Bau noch prachtvoller als von außen.

  15. Wahrscheinlich bin ich ja doch sentimental und nostalgisch (und das tarne ich durch „aus dem Mustopp kommen“) oder gar reaktionär, aber das meine ich (siehe Bilder): „so was“ an Ambiente bringt doch heutzutage keiner mehr…

    Ach… schöner Schmerz!!!

    Sorry!

    So, mal sehen…

  16. (… schade: die drei Kerzen werden nicht angezeigt…)

  17. (…auch meinte ich „Sarkas-Mustopp“ – das Alter, chch…)

  18. @Eline: Ich bin nicht so der Musikfachmann wie du, daher lausche ich deinen Ausführungen, in welchem Fach Sänger mit dieser Ausbildung besser untergebracht sind.
    Ich kann mir auch vorstellen, jeder Lehrmeister hat seine eigene Philosophie, wie er diese Kunst weitergibt.

    @lamiacucina: Diese Akademie macht so viel ich weiß nur drei Kurse im Jahr, daher bin ich mir nicht sicher, ob wirklich jeder aufgenommen wird. Mir wurde gesagt es können nur Sänger mit stimmlichen Potential teilnehmen.
    Auch öffentliche Musikakademien leben von ihren Schülern und nehmen diese nur nach Aufnahmsprüfungen auf.
    Und ich habe auch schon einiges an Gesangsdarbietungen gehört, wo sich mir sämtliche Fußnägel aufgedreht haben.

    @rufus: Habe auch an dich gedacht. Aber bist du nicht eher einer vom „lyrischen“ Fach?

    @Wolfram: Ich habe das Wort zum ersten Mal geschrieben, du wirst es kaum glauben.

    @weltbeobachterin: Von außen sehr unscheinbar, find ich auch.

    @gDino: Ich möchte nicht geschenkt in so einem protzigen Raum leben.
    Danke für die drei Kerzen, wenn man sie auch nicht sieht.🙂

  19. Das ist noch nicht ganz klar, wie lyrisch es bei mir aussieht – ich donner schon öfters mal los😉

  20. Von „Leben“ war ja nicht die Rede bzw. Schrift – aber in dem Salon würde ich schon gern „den Kaffee nehmen“ oder wie man da sagt…

    Sagt man nicht? – Schlürf…

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