Somlóer Nockerl im Glas serviert


Mulatschag

Alt und vergessen, weil diese Nachspeise anderen, moderneren Desserts weichen musste.
Mit auf die Liste kommen noch, was mir so einfällt: Salzburger Nockerl, Omlette Surprise, Indianer mit Schlag, Baiser mit Schlag, Germknödel, Kuglerbombe, Mohr im Hemd, Malakofftorte … wem fällt noch etwas ein, was zur Zeit zu unmodern ist, weil zu wenig italienisch, asiatisch oder französichem Küchentrend entsprechend?
Die Somloer (sprich „Schomlauer“) Nockerl sind ein wenig eine Patzerei. Dafür kann man sie sehr gut vorbereiten und das entschleunigt wieder sehr das Küchengeschehen, wenn Besuch kommt. Das Rezept habe ich aus dem Kochbuch der Esterházy’s, das ich kürzlich geschenkt bekommen habe. Bis jetzt ruhte es noch im Regal, aber bei Somlóer Nockerl habe ich gleich aufgehorcht und zugegriffen.

Aus diesem Buch entnehme ich auch die Information, die Nockerl wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Károly Gollerits, dem legendären Kellner (!!??!!) aus dem Gundel in Budapest, erfunden. Warum ein Kellner a Nachspeis erfindet, wenn er seinen Daumen beim Servieren in den Suppenteller hängt verstehe ich nicht so ganz. Aber über so manche Rezepte ranken Gerüchte und Legenden, daher will ich gar nicht mehr weiter forschen. Somló, und das ist verbrieft, ist ein Berg in Ungarn.

Zuerst wird die Vanillecreme vorbereitet, die ich abweichend in eineinhalbfacher Menge zubereitet habe. Die Somlóer Nockerl sollen schön quatschig und saftig sein und mir erschien ein halber Liter Milch für so viel Teig zu wenig. Dann den Biskuitteig vorbereiten, der in drei Teile geteilt wird und einmal mit Nüssen und dann mit Schoko angereichert wird.  Die Teige sollten relativ dünn ausgebacken werden und schlussendlich in eine Form passen, wo man sie mit der Vanillecreme, dem Sirup und den besoffenen Rosinen schichten kann. Ich habe zufälliger Weise eine eckige Backform, die in der Größe in etwa gleich ist, wie meine geliebten frigoverre Glasschüsseln. Ich liebe diese Schüsseln, weil das eckige Glasschüsseln mit Deckeln sind, die man wunderbar im Kühlschrank unterbringt. Die anderen runden Plastikschüsseln mit Deckel verfluche ich noch heute, weil ich mir die wegen der witzigen Farben angeschafft habe, aber eigentlich ein Schmarren sind, was die platzsparende Lagerung und Staumöglichkeit anbelangt. (Ich bekomm übrigens nichts für meine Lobhudelei finanziell abgegolten.)

Aber jetzt geht’s los:
Das Rezept reicht übrigens wegen seiner Üppigkeit sicherlich für 6-8 Personen
10 dag Rosinen in Marillenbrand über Nacht einweichen.

Biskuit:
8 Eier, getrennt in Dotter und Eiweiß
16 dag Zucker
16 dag Mehl
Nussteig: 5 dag geriebene Walnüsse
Kakaoteig: 3 dag Kakaopulver
Creme:
3/4 l Milch
Mark einer Vanille (Schote aufheben und weiterverwenden für Kompott, Salz, Zucker, etc.)
6 Dotter
15 dag Zucker
4 EL Mehl
Sirup:
3 dl Wasser
15 dag Zucker
1 Zitronenschale (gerieben)
Schokosauce:
15 dag Kochschokolade
1/2 dl Wasser
5 dag Zucker
1 dl Rum
1 Schuss Schlagobers

Marillenmarmelade, Schlagobers

Bevor der/das/des Biskuit gebacken wird, die Creme zubereiten.
Milch mit Vanillemarkt, Zucker und Mehl kochen, abkühlen lassen und die Dotter unterrühren. Nicht mehr kochen, sonst gibts Eierspeis im Reindl und keine Creme! Mit einer Klarsichtfolie abdecken (dann gibts keine grausliche Haut) und auskühlen lassen.

Schnee mit einer Prise Salz schlagen, Dotter mit Zucker schaumig rühren und abwechselnd mit Mehl und Schnee unterheben. Ein Drittel der Masse in eine gefettete, bemehlte Form geben und bei 170° ca. 6 Minuten backen. Den restlichen Teig halbieren und jeweils mit Kakao oder mit Nuss anreichern, ebenso backen.

In der Zwischenzeit wird der Sirup mit allen Zutaten gekocht.

Und dann geht es schon ans Schichten. Kakaobiskuit ganz zu unterst, dann mit einem Drittel des Sirups und Marillenlikör (von den Rosinen) tränken, ebenso eine Hälfte der Rosinen darauf verteilen. Dann kommt die Hälfte der Vanillecreme darauf und so weiter verfahren, bis alle Zutaten aufgebraucht sind. Auf die oberste Teigplatte streicht man nun großzügig wirklich gute Marillenmarmelade und bestreut zuletzt mit Kakaopulver. Gut abdecken! Das Ganze wird dann am besten über Nacht in den Kühlschrank gestellt, zumindest soll es mindestens 4 Stunden durchgezogen haben, bevor man es servieren will.

Servieren:
Alle Zutaten für die Schokosauce im Topf kurz aufkochen (Schokolade nicht zu lange!), etwas überkühlen lassen.
Schlagobers halbsteif mit etwas Vanillezucker schlagen.
Mit einem Esslöffel Nockerl ausstechen, in die Gläser füllen, einen Gupf Schlago und darüber herrliche Schokosauce schütten.
Was ich vergessen habe: Für den Finish hätten noch grob gehackte Walnüsse gehört. Das passiert, wenn man ohne Listen kocht.😉

22 Kommentare

Eingeordnet unter küchenente

22 Antworten zu “Somlóer Nockerl im Glas serviert

  1. Stanitzel mit Schlog😉

  2. Wenn du mir nun auch noch verrätst, woraus du den Sirup bereitest, würde ich mich glatt opfern und die Nockerl nächstes WE auf meine Hüften verfrachten🙂

  3. Das sieht sehr verdächtig nach Wiener Blut aus (man kann ja von ihm halten, was man will, aber die Songs gingen voll ab!!!)…

  4. sehr toll!!
    was einen guten kellner so alles ausmacht, ist im video zu sehen -> http://www.youtube.com/watch?v=UmambJvtGmU

    finanziell abgegoltene lobhudeleien fänd ich übrigens auch noch total okay, wär‘ eh an der zeit ..😉

    gesundes neues!

  5. Aha! Die Ente lässt den Giftzahn stecken, und tut stattdem am Süßkram schlecken.

    Weil du den Namen schon in Spiel bringst, mir fällt auf daß ich schon lange keine Esterhazy-Torte mehr gegessen hab, nicht mal in Wien. Oder hab ich keine gesehen? Wenn ich eine gesehen hätte hätt ich sie sicher auch gegessen.

    Auf alle Fälle tönt das lecker, ich werds vielleicht schon an meinem baldigen Geburtstag ausprobieren.

  6. Also, zuerst mit etwas Verspätung, weil wir – wie kann es anders sein – Silvester-mulatság in Ungarn hatten, alles Gute für 2010!

    Zu den Somlauer Nockerln kann ich nur sagen: mein Lieblingsdessert bei den Magyaren, aber leider komme ich äußerst selten dazu, weil die Suppen und Hauptspeisen schon so üppig sind, dass ich nimmer zum Nachtisch komme.

  7. @rufus: Sehr knuspriges Stanitzl.😉

    @Gerlinde: Tatsächlich! Danke, für den Hinweis. Sirup ist im Rezept jetzt vermerkt.

    @gDino: Danke für den Link, hast du den Kommentar gelesen? „This Video discribes of a funny way the disintegration of the vienna culture“. Das rockt!

    @Lreporter: Dann wird man aber unglaubwürdig … Ich mag die geschüttelt und gerührt Kellner!

    @George: Genau Esterházy-Torte und Dobos Torte sind selten geworden, weil so üppig (kennst du die Dobos? Ist mit Grillagedeckel). Diese Torten gab es früher beim Lehmann am Graben. Jetzt gibt es stattdessen Tiramisutorte, Grand Manier Torte, etc.
    Die Konditorei Lehmann hat leider gesperrt und es kommt ein ausländischer Fetzentandler rein. Wie mich das angeht …

    @Wienermädel: Habt ihr eigentlich in Ungarn Verwandte, oder hat sich eure Ungarnaffinität zufällig ergeben?

  8. Schomlauer Tiramisù🙂

    erbitte noch (falls ausreichend weanerisch)
    Rosenküchel,
    Pomeranzencreme,
    Oblatküchel,
    Gebackene Weinnudeln mit Chaudau

    auf die Liste setzen zu wollen.

  9. OHGOTTOGGOTTOGGOTTOGOTT! Schon wieder so ein Posting, bei dem ich beim Lesen schon zunehme!😉
    Weiß mal wieder nicht, was ein Indianer mit Schlag ist, aber Malakofftorte gab es neulich bei Suse und Toni
    http://hundertachtziggrad.blogspot.com/2009/12/meine-malakoff-tuatn.html

  10. Unser Sohn hat eine Ungarin geheiratet!
    Ausserdem haben wir Freunde, die sich in Ungarn angesiedelt haben.

    Wie das Leben so spielt…

  11. Somlauer Nockerl haben wir mal an der HBLA gemacht.
    das zweitemal hab ich sie gegessen bei meiner Sponsion, wie wir zum Heurigen gingen.

  12. @lamiacucina: kiachl hört sich sehr nach Tirol an. Ich glaube es aber zu kennen: Das ist ein Krapfen, der am Rand eingeschnitten wird. Oder vielleicht ist es auch ein Schneeballen?
    Pomeranzen – sagt man bei uns eher selten. Ich glaube du willst uns Wiener gerade nach Bayern eingemeinden.😉
    Was mir gerade einfällt, aber kein Dessert ist: Schildkrötensuppe war urmodern und hat unheimlich „einedraht“, wenn man das bestellt hat.😀

    @A.Tochter: Der Indianer mit Schlag ist ein fester Biskuitteig in halbrunden Formen ausgebacken, für die es sicherlich einen tollen Namen gibt, der mir nicht einfällt. Das/der/des Biskuit wird dann mit Schokoglasur überzogen und zwei und zwei werden mit einer ordentlichen Portion Schlagobers zusammengesetzt.

    @Wienermädel: Wie praktisch!

    @weltbeobachterin: Na siehst du, nur zwei Mal in deinem Leben und du bist auch schon ein bisserl auf der Welt.😉

  13. Du wirfst ja mit Süssem nur so um dich … aber den Mulatschag hab ich schon live erlebt … war mir mal eine Anreise in die Hauptstadt wert … unvergesslich, kannst dir sicher vorstellen😉

    übrigens, noch ein gutes Neues!

  14. kardinalschnitten!!!
    hausgemachte kokoskuppeln
    bananenschnitte
    oblatentorte
    hausfreunde

    ist das das buch vom cw im loewenzahn verlag?

    und: ich liebe die frigoverre-gläser von bormioli auch, aber die mit dem blauen deckel. weisst du denn, wo man die in wien kriegt? (ich mag auch die runden, ich hasse diese plastiktazerln, die so schnell stinken…)

  15. @ente: tja, als Oberösterreicherin habe ich noch nie eine Linzertorte gemacht.

    @Katha der Löwenzahnverlag hat super Kochbücher,
    vor allem die Bäuerinnenkochbücher habens mir angetan.

  16. @katha: Oblatentorte brauch ich nicht. Da erinnere ich mich an eine frühere Arbeitskollegin, die von unserem Chef gefragt wurde, ob sie kochen kann, hat sie ja gesagt: Oblatentorte.🙂
    Ja, ist vom Loewenzahnverlag.
    Frigoverre Gläser gab es vor einem halben Jahr in einem 1 € Shop. Da habe ich mich blöd gekauft. Meine erste Garnitur habe ich bei Spar in Italien gekauft. (Wieder ein Produkt, das man importieren sollte.) Anfrage über Bezugsquellen in Ö habe ich gerade weggeschickt.
    Plastiktazerln: Was sich als sehr gute Vorgangsweise beim Einfrieren herausgestellt hat: In Plastikscherm TKsackerl stülpen, mitsamt dem Scherm einfrieren, dann aus dem Plastik rausnehmen und platzsparend lagern. Durch die eckigen Scherm haben sie eine vernünftige Form.

    @weltbeobachterin: Keine Linzertorte!!! Asche auf dein Haupt.🙂
    Bäuerinnenkochbücher habe ich leider noch keines, steht aber schon auf der Liste:
    Gegs, Kochen nach Jahreszeiten – must have!

  17. gute idee das mit den ausgekleideten plastiktazerln. ich habe z. b. saucen oder fonds immer in die tazerl gegeben, eingefroren und am nächsten tag gefroren in ein sackerl umgefüllt, die tazerl wieder frei, die flüssigkeiten schön stapelbar. aber so spare ich mir natürlich das abwaschen (und den gschtank).
    bin neugierig, was die dir bei bormioli sagen. ich bin an denen nämlich vor ein paar jahren schon mal gescheitert…
    btw: foto aus dem händi: du könntest mirs ja einfach smsen😉

  18. @Dandu: Mulatschags kann man immer und überall machen. Ich mach jetzt ein Reisfleisch, also nicht nur Süßes, mit dem ich werfe.😉

  19. dass Kekskochbuch habe ich mir im Advent gekauft. Meine Mama hat auf der Landwirtschaftskammer ein Seminar gemacht, bei einer der Keksbäuerinnen (die aus Oberösterreich).
    Empfehlen kann ich den Karottenlebkuchen (schön saftig)

    diese Gläser haben wir auch daheim, allerdings beim Geschirrhändler in unserer Bezirksstadt gekauft.

  20. eigentlich fällt mir da nur der gute alte schokopudding mit schlag ein. den gibts ja wirklich nirgendswo mehr als Nachspeis.

  21. @katha: Falotten antworten nicht bei frigoverre. Na pass auf, dort heiz ich aber jetzt ein. Was ist das für ein schleißiges Kundenservice? Ich schick ihnen alle meine Glasschüsseln aus Entäuschung unfrei zurück.

    @Dandu: Ich sehe schon, du bist ein Salziger.😉

    @weltbeobachterin: Du machst mir den Mund wässrig. Obwohl, Keks kann ich gerade keine mehr sehen. „The same procedure as every year“

    @Ellja: Sehr gut! Ich liebe Puddeling (frei nach Pumukel)!

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