Zupf dir ein Wölkchen

Beim Kauf eines Geburtstagsgeschenkbuches hat sich die Ente ein Wölkchen gezupft. Wie schön! Ein Wölkchen zupfen, am blitzblauen Himmel.
Das Wölkchen ist ein Gedichtband von Joachim Ringelnatz – endlich – in gedruckter Form in meinem Besitz.
Und da saß ich – rundum meine kleinen Wölkchen – die da lachten, sich amüsierten und den dicken Wolkenbauch vor Lachen hielten und wir einen schönen Nachmittag hatten.

Und da hab ich zwischen den Seiten dieses gelbe Band gelegt, weil mir das Gedicht so das Herz hüpfen lässt und ich meine, daran will ich euch erinnern!

Ich hab dich so lieb

ich hab dich so lieb!
Ich würde dir ohne Bedenken
Eine Kachel aus meinem Ofen -Ergänzung Ente: und damit das Eisen aus dem Feuer holen-
Schenken.

Ich habe dir nichts getan
Nun ist mir traurig zu Mut.
An den Hängen der Eisenbahn
Leuchtet der Ginster so gut. -Ergänzung Ente: und duftet wie Sau, da wird der Ente ganz Mau!-

Vorbei – verjährt –
Doch nimmer vergessen.
Ich reise.
Alles, was lange währt,
Ist leise – Ergänzung Ente: manchmal zu leise, man hört es kaum-

Die Zeit entstellt
Alle Lebewesen.
Ein Hund bellt – Ergänzung Ente: die Taube grugrut.-
Er kann nicht lesen.
Er kann nicht schreiben.
Wir können nicht bleiben.

Ich lache.
Die Löcher sind Hauptsache
An einem Sieb

Ich hab dich so lieb.

-Ergänzung Ente: ja!

mehr da!

18 Kommentare

Eingeordnet unter Nicht kategorisiert

18 Antworten zu “Zupf dir ein Wölkchen

  1. Ach, mein Enterl, wie schön… ich würd dir auch eine Kachel schenken, ich hoff das weißt du auch. Ich schenk so gerne, ich seh so gerne Freude. Leider hab ich wenig Freude momentan, nur Bewölkungswölkchen, mein unrundes Jahr eiert dahin und wenn ich könnt würd ich es ausschimpfen und sagen „Zupf di!“

  2. das liest sich beschwingt. Nett, dass Du uns an deinem Glücksgriff teilhaben lässt.

  3. michaela

    @ente: ich würde dir ohne Bedenken ein Stück von ordentlichen Bauernbrotes schenken 😉
    Ordentliches Brot gibt es hier nämlich nicht und ist daher unendlich kostbar für mich (geworden)
    Schön, dass es dieses Wölkchen für dich gibt!

  4. michaela

    upp! Jetzt habe ich’s erst bemerkt – nicht einmal Deutsch schreiben kann ich mehr😦

  5. deiner da oben ist schön, aber mir für heute ein bisserl zu melancholisch. daher passend zur tageszeit mein allerliebster ringelnatz:

    Morgenwonne

    Ich bin so knallvergnügt erwacht.
    Ich klatsche meine Hüften.
    Das Wasser lockt. Die Seife lacht.
    Es dürstet mich nach Lüften.

    Ein schmuckes Laken macht einen Knicks
    Und gratuliert mir zum Baden.
    Zwei schwarze Schuhe in blankem Wichs
    Betiteln mich „Euer Gnaden“.

    Aus meiner tiefsten Seele zieht
    Mit Nasenflügelbeben
    Ein ungeheurer Appetit
    Nach Frühstück und nach Leben.

    mehr gedichte von joachim ringelnatz auf: http://www.ringelnatz.net/html/joachim_ringelnatz_gedichte.html

  6. @Michaela: Nein nein, du führst bloß einen gepflegten Genitiv spazieren.
    Das schrieb aber nicht Ringelnatz, sondern Tucholsky.

  7. ludi

    fein der ringelnatz
    finden ente und spatz

    ich hab dich doch so lieb
    findet spatz und macht piep

    und ich dich erst findet ente
    und nun ab mit uns in rente

  8. Gaugi

    danke für den neuen ansatz zur liebe

    doch ist es nicht so, dass immer ein tropfen hängen bleibt? wehmut.

  9. @George: nicke. Danke für die virtuelle Kachel und schenk dir meine schönste vom Ofen.😉

    @lamiacucina: Fein, dass es dir gefällt.

    @michaela: Du bist also schon fern der Heimat. Und, hast du dich gut eingelebt? Ich täte dir Bauernbrot schicken, das wird aber vermutlich steinhart, bis es dort ist.

    @katha: Die Morgenwonne ist herrlich! Ich klatsche mir jetzt auch vergnügt auf die Hüften. Hörst es?

    @Wolfram: „Sie führte gerne einen gebildeten Genitiv spazieren und war demzufolge immer stolz darauf, „Rats“ zu wissen.
    Danke, jetzt habe ich durch deinen Hinweis ein wenig reingelesen.

    @ludi: Du willst mich also in die Pensi schicken, wo ich noch so eine rüstige Ente bin.😀

    @Gaugi: Jo scho, leider. Einmal früher, einmal später, einmal immer.😀

  10. michaela

    @ente: Ja! Sind gut angekommen und machen uns gerade in der neuen Wohnung breit. Vieles ist gewöhnungsbedürftig. Fleisch z.B. wird ganz einfach zak, zak mit allem drum und dran kleingehackt und ab in den Wok. Der Esser darf es dann versuchen mit Stäbchen irgendwie zu essen.
    Brot würden wir wirklich brauchen, würde aber leider nicht durch den Zoll kommen. Dafür gibt es leckere Früchte und ab und an ein Erdbeben.🙂

  11. ludi

    nur zusammen mit mir🙂

  12. So, jetzt ist es beschlossen! Ich habe noch geschwankt, ob ich mir so ein fettes Buchbrikett ins Regal stellen soll (der Preis ist in diesem Fall ja eh kein Hinderungsgrund), aber er ist einfach zu gut. Gleich nachher gehe ich in den Laden.

    http://www.zweitausendeins.de/suche/?ArticleFocus=1&ord=-1&alpha=1&cat=all&q=Ringelnatz%2C%20Joachim

  13. Ach, so hieß das… ja, ich hab „Schloß Gripsholm“ nur mal auf der Bühne gesehen, und der GEnitiv ist mir im Gedächtnis geblieben. „Pappi, hast du Geldes?“ Und DEN Genitiv führe ich auch manchmal spazieren, zumal der Franzose an sich den unbestimmten Artikel der Mehrzahl durch einen Genitiv ersetzt.

  14. („… geringelnatzt, gemorgensternt, und manchmal was dazu gelernt…“)

    (…Verfasser vergessen…)

    (… das Alter…)

    (… sorry…)

  15. ringelnatz
    schatz
    spatz
    schmatz

    wenn das Herz hüpft
    ist es fein

  16. Ein ganz eines Reh stand am ganz kleinen Baum
    Still und verklärt wie im Traum
    Das war des nachts elf Uhr zwei.
    Und dann kam ich um vier
    Morgens wieder vorbei,
    Und da träumte noch immer das Tier.
    Nun schlich ich mich leise – ich atmete kaum –
    Gegen den Wind an den Baum,
    und gab dem Reh einen ganz kleinen Stips.
    Und da war es aus Gips.

    Anmerkung AT: lange Nacht!🙂

  17. arthurstochter

    „kleines“ Reh, soll es natürlich heißen…
    Immer diese fieselige Tipperei am Telefon…

  18. gDino: Hauptsache, der Text rockt. Leser merkt sich auch nichts.😀

    @wbeob8erin: kurz, knackig, gut!

    @A.Tochter: Ich hab auch immer den dicken Finger am Telefon.😉
    Auch sehr schönes Gedicht! Danke!

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