Monatsarchiv: September 2011

Kochen können – oder kochen wollen

Eine Diskussion zwischen zwei Alphatierchen. 😉

katha meint, ich sag‘ einmal ganz allgemein „wir“, die Gesellschaft kann nicht mehr kochen.

Meine Wenigkeit meint, unsere Gesellschaft will nicht mehr kochen.

Wir werden unsere Meinungen vermutlich nicht durch Statistiken belegen können und somit stelle ich das laut Anregung von Michael zur Diskussion und bin schon sehr gespannt, welchen Standpunkt ihr vertretet und durch welche These eure Meinung untermauert wird. Vielleicht wird diese Diskussion polemisch. Jeder hat seine Erfahrung im Bekannten- und Freundeskreis und wird dadurch in seiner Meinung bestärkt. Es gibt aber auch äußere Hinweise, wie das größer werdende Angebot von Convenience Food in den Regalreihen unserer Supermärkte.

Anstieg Convenience Food – Dank der Schweizer habe ich eine Statistik gefunden, die einen gewissen Anhaltspunkt zur Diskussion gibt. Die Statistik liest sich so, dass Dosenfutter weniger geworden ist. Verständlich, ich mochte noch nie Erbsen aus der Dose. Schon alleine die Farbe stört mein ästhetisches Empfinden. Auch die Fruchtkonserven sind weniger geworden. Wen wundert’s? Pfirsiche gibt es das ganz Jahr über, sogar ohne Pelz als Nektarinen. „Sonstige“ Ware hat einen beträchtlich großen Anteil und man hat sich noch nicht die Mühe gemacht, diese Kategorie zu unterteilen. In diese Abteilung fallen alle Fertiggerichte, Kartoffelkonserven, etc. – also Lebensmittel, die gekauft werden, um ein schnelles Essen auf den Tisch zu bringen.

Als ich zu kochen begonnen habe, waren Bilder in Kochbüchern unwichtig oder teilweise furchtbar aufgenommen. Mein erstes Kochbuch hatte überhaupt keine Bilder. Die Beschreibung eines Rezeptes hatte den Umfang von etwa 10 Zeilen und liest sich ungefähr so:  ‚Dotter mit Zucker schaumig rühren, die übrigen Zutaten zugeben. Schnee schlagen und abwechselnd mit dem Mehl unterheben. Den Herd auf Stufe 4 vorheizen und 40 Minuten backen.‘ Wenn man Satz für Satz vorgegangen ist, dann war das Mehl schon im Teig und fest wie altes Plastilin. Dass Schnee nix wird, wenn da ein bissl Dotter drinnen ist, hat einen lange gewundert, oder man hat nachgefragt. Der Schnee im Teig ist zusammengefallen, weil nämlich das Rohr noch nicht vorgeheizt war, etc.  Fachwissen holte man sich aus dem Anhang, oder von seiner Mutter oder Großmutter. „Bei mir ist letzens der Mürbteig nichts geworden, warum? Aha, bröselig = brandig, Zutaten müssen kälter sein, nicht zu lange kneten“ – all das habe ich durch Nachfragen erfahren. Mein Können hat sich durch Wissensweitergabe erheblich erweitert.

Mein Wollen, wurde mir durch Erzählungen über gute Köchinnen in unserer Familie weitergegeben. Ich hatte aber leider nie die Gelegenheit mit Omi oder Mutti mitzukochen. Omi ist früh gestorben und mit Mutti hat es sich durch besondere Umstände nie ergeben. Wie man Fischbeuschelsuppe oder Kalbsbeuscherl zubereitet, habe ich teilweise per Telefon erklärt bekommen. Es gab keinen Inhouse-Kochkurs.

Es gibt Tage, wenn ich erledigt nach Hause komme, dann will ich nicht kochen. Da bleibt dann die Küche kalt. Manchmal greife ich auch dankbar auf ein fertiges Pesto oder Sugo aus dem Regal. Oder dann gibt es die flotten Hascheenudeln, die ich aus meiner Kindheit kenne und die ruckizucki fertig sind. Ich kaufe manchmal gefrorenen Fisch und ärgere mich, weil der Fisch so fischelt und eigentlich sauteuer war. Beim Vogerlsalat im Sackerl greife ich auch gerne zu, weil es diesen Salat früher nur zu Weihnachten gegeben hat und ich ihn liebe. Vogerlsalat wird nicht offen verkauft, detto Rucola. Ich ärgere mich jedes Mal, wenn im Sackerl eigentlich Spinat und nicht Salat zu finden ist.  Ich kaufe manchmal Fruchtjoghurt, weil es als schnelles Dessert oder Frühstück gut passt.Ich ärgere mich, weil die Supermärkte auch daran schuld sind, uns verblöden zu lassen. Wir kaufen Schweinefleisch für Reisfleisch und keine Schulter, wir kaufen Gulaschfleisch und keinen Wadschinken, wir kaufen Schweinsschnitzelfleisch und kein Fleisch vom Schlögel, etc. Wir können die Fleischteile nicht mehr benennen. Uns können Supermärkte jeden Schmarren andrehen, weil wir Fleisch nach dem Gericht suchen. Unsere Billafiliale hatte bis vor kurzem einen !gelernten! Fleischhauer angestellt, dort konnte ich meine Fleischteile so bestellen, wie ich sie brauchte. Wisst ihr eigentlich, dass es kaum mehr Fleischhauer gibt? Dass es kaum mehr Fleischhauer gibt, die eine ganze Sau zerlegen können, weil sie die Fleischteile schon pariert bekommen. Warum will denn keiner mehr das können?

Wir haben sehr oft Gäste und die sind auch gewohnt, von mir bekocht zu werden. So verbringe ich oft viele Stunden in der Küche mit kochen, wo andere Frauen bei der French Maniküre sind. Manchmal zipft mich das Kochen an, oder ich bin einfach so kaputt – siehe oben. Mein Kochwille hat sich aber durch einen Wohnungsumbau noch mehr gesteigert. Die Kochinsel ist in der Mitte des Raumes, gleich anschließend ein Barbereich mit Hocker, wo, wer will, mir in die Töpfe schauen kann und mir nicht so langweilig ist. Da wird schon einmal gefragt, was ich da mache und warum und wir haben Tipps ausgetauscht.

Damit wir die Jugend auch gleich durch haben: Ich habe zwei Kinder, mein Sohn liebt es zu kochen und fragt sehr oft, wie er was zubereitet. Er bekocht auch seine Freundin sehr gerne, die gar nicht kochen will/kann. Es interessiert sie auch gar nicht wie man kocht. Der Wille meiner Tochter ist noch nicht so ausgeprägt. Was sie probiert, wenn sie will, kann sie auch. Wenn ich selbst nicht verfügbar bin, gebe ich ihr den Tipp, welche Rezepte selbsterklärend sind und davon gibt es sehr viele! Es gibt Kochblogger, die jeden Handgriff mit Fotos dokumentieren, oder Listen (;-) legendär die Liste des Nonkneadbread von katha) führen. Was soll da bitteschön schief gehen? Nur Toilettegänge sind nicht berücksichtigt, sonst jeder Handgriff und Zeitablauf!

Klappe, Diskussionsstart!

Was übrigens auch zur Esskultur gehört, sind Benimmregeln bei Tisch! Schon mal beobachtet, wie manche Menschen Besteck halten und das Essen am Teller mit dem Fremdkörper Messer oder Gabel zerteilen?

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