Strudel mit dem Apfelstrudeltest

apfelstrudelfreudendesaster

Was ein Strudel ist, ist ein Wiener?

Ich sag‘ einmal wie ich es kenne und gelernt habe, wie ein echter Apfelstrudel gemacht wird, wobei mir neu war, dass es einen „Wiener“ Apfelstrudel gibt.

Strudelteig zubereiten (Rezept im www suchen) und rasten lassen.

In der Zwischenzeit Strudeläpfel schälen, und blättrig (ganz wichtig!) schneiden. Welche Äpfel werdet ihr euch fragen! Auf jeden Fall Äpfel mit Geschmack! Der klassische Strudelapfel ist ein Boskop, er hat die notwendige Balance zwischen Säure und Süße. Man hört, es können aber auch andere Äpfel zum Einsatz kommen, aber sicherlich nicht solche, die es im Supermarktregal gibt. Also ein Biss in den Apfel vor der Verarbeitung ist sicherlich notwendig, um ein gutes Strudelerebnis zu erzielen. Ich würde einen Cox Orange vorziehen, wird aber in der Strudelliteratur kaum erwähnt. Der Topaz wird gelobt, aber auch der Gravensteiner. Ein Golden Delicious, aber nur wenn er aus dem eignen Garten kommt. Die Massenware taugt eher als Schweinefutter.

Ich beträufle die Äpfel auch gerne mit Zitronensaft. Das gibt noch den zusätzlichen Kick an Säure und die Äpfel werden nicht gleich unansehnlich braun.

In der Zwischenzeit lässt man Brösel mit großzügig Butter schön goldbraun rösten. Fein knusprig werden sie, wenn man 1-2 Eßlöffel Kristallzucker dazugibt.

Dann richtet man sich noch den Zimt und Rosinen her, sowie zerlassene Butter mit einem Pinsel.

Der Strudelteig wird ausgezogen und zwar so dünn, dass man eine Zeitung darunter lesen könnte. Die Hochzeits, Verlobungs- und Ewigdeinbrüller zieht man vorher ab, denn sonst würden die Kaliber Löcher in den Teig reißen. Der ausgezogene Strudelteig kommt auf einem befeuchteten Strudeltuch zu liegen. Die Strudelteigkanten abschneiden und damit wartet der Teig auf die Fülle und die Verstrudelung.

Vorerst mit flüssiger Butter bestreichen. Dann die gerösteten Brösel zu 2/3 auf den Strudelteig streuen, die geschnittenen Äpfel ebenso verteilen, etwas Zimt, Rosinen und Kristallzucker. Dann wird der Strudelteig am unteren Ende (dort wo der Bauch der Köchin/des Kochs gerade hinzeigt einschlagen. Dann fasst man das Strudeltuch links und rechts unten, zieht hoch und gibt dem Strudel den nötigen drive, damit er sich einrollt. Links und rechts das Strudelende wie ein Sackerl zusammendrücken und den Teig abreißen. Auf ein befettetes Blech legen und nochmals ordentlich mit Butter bestreichen und ab ins Rohr.

Wer mag, kann noch zusätzlich gehackte Walnüsse (und Rahm – macht den Strudelgeschmack rund. Ich backe nur unrunde Strudel!) zugeben.

Also an der Zubereitung gibt es nichts zu rütteln. Ein einfaches Rezept, das ein möglichst homogenes Produkt liefern sollte. Lediglich der Apfel, kann dem Gelingen einen ordentlichen Strich durch die Rechnung machen. Aber den sollte jeder Strudelbäck vorher kosten und abwägen, ob die Frucht strudelwert ist.

Bei unserem letzten Jourdoux wurden Strudel gekostet und bewertet. katha (esskultur) hat zwischendurch berichtet, dass ein Wiener Biobäck es gar nicht mag, wenn er einer Verkostung unterzogen wird und davor eigentlich nichts weiß. — … – Ein sehr namhaftes Restaurationsunternehmen wollte die Blogadressen, wo das Ergebnis der Verkostung veröffentlicht wird. Also wir sind bereits eine ernstzunehmende Institution und man legt Wert auf unsere Bewertung. Welcher Privatmensch kostet auch 22 verschiedene Apfelstrudel und unterzieht sie einem erbarmungslosen Testverfahren?

Unser Test:

– Ein Kreis von ca. 6 unbestechlichen Personen mit normalen Geschmacksnerven und gutem Urteilsvermögen.

– Eine Auswahl von Mehlspeisen die durchaus einen guten Querschnitt über die Wiener Angebotsvielfalt darstellt.

– Testprodukte, die wir aus der eigenen Tasche bezahlen.

– Strudel, die abgewogen, fotografiert und in einem Testbogen nach Aussehen (3 Pkt), Konsistenz (7Pkt), Geruch/Geschmack (10 Pkt) bewertet werden.

– Testpersonen, die sich nicht beeinflussen lassen. Wenn eine schreit, der Teig schmeckt nach Waschmittel, dann kann es auch vorkommen, dass der/die andere das nicht herausschmeckt.

– Warum fehlt der eine oder andere Produzent? Weil er bei den vorangehenden Tests derartig schlecht abschnitt, dass es uns nicht Wert ist, das Produkt nochmals einem Test zu unterziehen.

– Folgende Unternehmen wurden dem Härtetest unterzogen:
Café Aida, Café Central, k.u. Hofkonditor Demel, Café Diglas, Bäckerei Felber, Konditorei Fercher, Bäckerei Geier, Konditorei Gregor, Bäckerei Grimm, Konditorei Heiner, Biobäcker Joseph Brot, Café Korb, Café Landtmann, Meinl am Graben, Konditorei Oberlaa, Bäckerei Ölz, Café Sacher, Konditorei Sluka, Meierei Steirereck, Bäckerei Ströck, Konditorei Ullmann, Konditorei Wannenmacher;

Bei der Verkostung war ich etwas indisponiert und daher recht ungnädig in der Beurteilung. Ich rieche am Strudel, ich koste den Strudelteig, ich steche mir aus der Fülle ein Stück und koste. Wenn das Produkt irgendeinen Nebengeschmack oder gar keinen Geschmack aufweist, bin ich grantig. Frau ist eine gute Futterverwerterin und jeder Biss schlägt an. Daher soll/muss jeder Bissen hervorragend schmecken! Geht’s euch auch so?

Was kam uns während der Verkostung unter?
Halbe Walnusshälften (bin ich ein Eichhörnchen?), Rauchgeschmack (100 Marlboro ö.ä.), Waschmittel, Zimt- oder Bröseloverkill, zu süß, Teig gatschig, Äpfel nicht durchgegart, Apfelbutzen und -kerne, altes Fett (Margarine?).

Zwei Produkte die exakt gleich aussehen und auch sehr, sehr ähnlich schmecken, mysteriös! – Platz 1 und 3
Zwei Strudel, die ich mit Putz und Stingel gegessen habe: Platz 2 – (mein persönlicher 1. Platz) und Platz 4 (mein persönlicher 2. Platz).

Das Ergebnis von 6 Verkosterinnen lautet wie folgt:
1. Platz: Konditorei Fercher 111/120
2. Platz: k.u.k Konditorei Demel 105/120
3. Platz: Meierei im Steirereck 99/120
4. Platz: Konditorei Oberlaa 82/120
5. Platz: Konditorei Ullmann 56/120

Ab dem 4. Platz ging es mit der Punktezahl rasant nach unten. Somit gibt es 4 klare Favoriten im Apfelstrudelgeschehen.

Es grünt die orange Ente apfelig!

PS: Klick bei eingeordnet unter „Jourdoux“ und finde alle Tests, wo ich dabei war.

13 Kommentare

Eingeordnet unter Die Welt, jourdoux, stadtgeschichten

13 Antworten zu “Strudel mit dem Apfelstrudeltest

  1. Konditorei Oberlaa und nicht Obama – die haben einen ja schon ganz verrückt gemacht diese Woche😉

  2. Hab bei Katharina ein Foto von der Verkostungsrunde gesehen und mich gefragt, welche der Strudelexpertinnen denn nun die Ente sein könnte. Tipp(t)e auf die mit der Brille rechtsaußen. Richtig?

  3. Was nützt einem eine Verkostung, wenn die Betroffenen vorher informiert werden? Man will ja nicht wissen, was sie könnten, wenn sie wollen täten, sondern was sie an sechs Tagen in der Woche für den normalsterblichen Kunden zustande bringen. Und wegen dem „Wiener Apfelstrudel“… das wissen wahrscheinlich nur die „Zuagroasten“, so wie ich eine bin. Ich habe den Apfelstrudel in der Wiener Variante auch erst in Wien kennengelernt. Überhaupt habe ich den Eindruck, dass der Apfelstrudel nirgendwo sonst so beliebt ist wie in Wien. Und gut zu wissen, wo ich den Herrn Ziii jetzt hinschicke, wenn es ihn wieder mal nach Apfelstrudel gelüstet.
    Lieben Gruß von Frau Ziii

  4. du lässt jedenfalls keinen apfelstrudel anbrennen! (das rezept für den altwiener apfelstrudel – und generell eins für dodelsicheren strudelteig – steht übrigens in unserem neuen buch ;-))
    heute hätte ich übrigens durchaus schon wieder gusta auf ein stückerl. wer hätte das gedacht.

  5. mach ihn lieber selber, frau ziii…

  6. jammjamm, da läuft mir ja schon beim lesen das wasser im mund zusammen🙂

  7. @rufus: Auch unsere Jourdoux Verkostungen sind so spannend wie ein Wahlabend.😉
    @Lokalreporter: Rechts außen dunkelhaarig – ich kenn das Foto nicht, aber weltbeobachterin hat auch Brillen und saß neben mir.🙂
    @Frau Ziii: Wir sind die Unbestechlichen! Es gibt keine Verpflichtung vorher Bescheid zu geben, dass die Ware verkostet wird und es spricht auch nichts gegen die Veröffentlichung der Erstplatzierten. Wir sind ohnehin sehr fair, indem wir die letzten Plätze immer unerwähnt lassen. Es ist wohl auf eine Frage der Kritikfähigkeit, wie man mit nicht guten Ergebnissen umgehen kann. Jede Kritik sehe ich als Chance, auch wenn sie weh tut.
    Und katha hat schon Recht, probier doch einmal aus, selbst einen Strudelteig zu machen – mit dem deppensicheren Rezept aus dem neuen Buch.😉
    Und das mit dem „Wiener“ oder sogar „Altwiener“ Apfelstrudel dürfte wirklich die Zuagroasten betreffen. Früher gab es bei uns nur Gezogenen Apfelstrudel und keinen aus Mürb-, Blätter- oder Plunderteig.
    @katha: Interessant, ich hätte auch schon wieder Gusto und ein paar Apferln aus einem Wachauer Obstgarten.
    @finbarsgift: Ausgesehen haben viele recht appetitlich.🙂

  8. Ahh… Hübsch in der Mitte, und hübsch in pink!🙂

  9. @lokalreporter: schwarz, net pink!!😀 rechts außen – aber nicht politisch.

  10. Sagt ich ja auch ursprünglich. Also doch den richtigen Riecher ghabt.😉

  11. Apfelstrudel ist die Königsdisziplin im „der Oma nachkochen“, aber mittlerweile kann ich ihn ganz gut, ganz ohne Rauch- und Waschmittelgeschmack *würg*
    Richtig, richtig grantig werde ich, wenn ich irgendwo Apfelstrudel bestelle und bekomme so ein schnell zusammengerolltes (oder gar fertig gekauftes) Dings aus Blätterteig. Wenn ich eine Scheibe aus einer großen Apfeltasche haben möcht, dann bestell ich mir schon eine.

  12. Katha, Ente, ich muss mich verteidigen… ich mache Apfelstrudel eh selber, aber halt so wie ihn meine Oma schon immer gemacht hat… allein, der Herr Ziii mag den Strudel lieber so, wie ihn SEINE Oma gemacht hat, auf die Wienerische Art. Soll ER ihn doch selber machen oder zum Fercher gehen😉

  13. joulupukki

    fein, fein, wieder eine verköstigung! ich mag ja den apfelstrudel im cafe heumarkt ganz gerne und den auf der seehütte/rax. aber der fällt wohl in eine andere kategorie.

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