das grab meines vater

das grab meines vaters habe ich letzte woche aufgesucht.
am weg dorthin hatte ich mir noch ausgemalen, was ich mit ihm über den grabstein besprechen werde.
das grab ist proper mit schwarzem marmor ausgekleidet. die schrift glänzt gülden. der buchsbaum komplett vom buchsbaumzünsler zerfressen. ein gerüst. vermutlich wie der vater.
ein stein liegt auf der grabplatte. er war kein jude.
begraben liegen dort meine großeltern, mein onkel und mein vater. meinen vater habe ich einmal getroffen, die anderen verwandten kannte ich nicht. sie waren wie mein vater nicht interessiert mich kennen zu lernen.
so stand ich vor dem grab.
bis auf ein gebet war ich sprachlos – ich bete vor jedem grab, egal wer drinnen liegt.
ich war in meinem kummer gefesselt.
vielleicht war es auch gut so.
blutsverwandt und doch keine familie.
friede seiner verwesung!

11 Kommentare

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11 Antworten zu “das grab meines vater

  1. Es ist gut, Verstorbenen befriedet zu begegnen.. Berührend, was du sagst. Mögen unsere Väter in uns Ruhe finden!

  2. das Überwinden der Sprachlosigkeit ist der erste Schritt zu einem neuen Anfang.

  3. faszinierend verfasst, aus einer stoischen Umklammerung heraus, durchaus bemerkenswert … ja, friede den verwesenden … irgendwann geht es uns allen ja mal so, ob wir nun gute Eltern waren oder schlechte…

  4. So unsagbar traurig, was du schreibst.

  5. Ungeliebt, ungewollt und wohl auch ungebeten am Grab so eines Menschen. Und dann doch ein gebet. Hätte ich wohl auch so gemacht, wenn man nicht innerlich Frieden machen kann geht man kaum an jemandes Grab. Aber ein Mensch der sein eigene Kind nicht lieben kann ist wohl schon zu Lebzeiten irgendwie verwest, innerlich.

  6. hm…keine antwort, sowas!

  7. @Gerald: Ja, so sehe ich das auch. Die Ruhe in mir zu diesem Thema finden. Ich denke ich bin am guten Wege dazu.
    @lamiacucina: Nun, dann will ich den Anfang machen und den Weg beschreiten.
    @finbarsgift: Klar landen wir alle einmal am Acker. Eine Wahltante von mir hat sich ihre Ruhestätte in einem anonymen Urnengrab ausgesucht. Das passt zu ihr, unheimlich klug! Denn im Kopf besuche ich sie wesentlich öfter als am Friedhof.
    @Turbohausfrau: Vielleicht für Außenstehende. Meine Jahre ohne Vater, Telefonate mit ihm waren da wesentlich trauriger, weil verletzender. Jetzt bin ich von dieser Last befreit, weil er gegangen ist. So und so, kann ich nicht um seine Gunst buhlen. Es geht nun darum die schlechte Erinnerung in neutrale Gedanken zu fassen.
    @George: Keine Verantwortung, kein Pflichtbewusstsein – auch solche Menschen gibt es.
    @finbars: Tut mir leid …. aber jetzt sogar zwei Antworten. Gell da schaust!

  8. Pingback: die angebliche cousine | Entegutallesgut

  9. …am acker…
    wie unlieb…

  10. und nun ZWEI kommis für dich *g*

  11. @finbar: Am Acker wachsen Kornblumen, Mohnblumen und noch vieles mehr. Ich finde einen Acker unheimlich schön!

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